FRANKFURT/Main (Theater im Turm):

„Asche im Wind“ von Heinrich Heym

Wer das Theater als eine Stätte auch des sittlichen oder politischen Appells bejaht, muß diesen dramatischen Erstling des 42jährigen Frankfurter Journalisten begrüßen. Heym versucht, ein Thema bühnenfähig zu machen, das von Hans Henny Jahnn im „Staubigen Regenbogen“ als Nebenthema schon angeschlagen wurde: Die Erbschädigung junger Menschen, die radioaktiven Strahlen ausgesetzt waren. Heym zeigt tragische Konsequenzen am Beispiel eines jungen Mannes auf, der nach einjähriger Behandlung zwar als gesund entlassen, aber von den Ärzten gewarnt wird, Kinder zu zeugen. Seine Braut hat jedoch bereits das Aufgebot bestellt und ist ebenso wie der reiche Schwiegervater auf Nachwuchs versessen. Bemerkenswert an dem Stück ist die Form. An wichtigen Stellen wird auf zwei Ebenen gespielt: Während ein Arzt Wissenschaft vorträgt, erinnert sich sein Hörer, der Patient, einer Liebesszene am Bach. Nach einer einzigen Liebesnacht vor dem Selbstmord des Paares erscheint dem jungen Mann sein eigener Ururenkel, der weder riechen noch schmecken kann. Auf solche Weise wird wenigstens hier und da eine Überhöhung gefunden (die Sprache Heyms entstammt durchgehend dem Konversationsstück). Entbehrlich erscheinen hingegen Rahmenszenen, in denen Politiker, verschiedener Jahrhunderte vom Frieden monologisieren und die Rüstung betreiben. Das bleibt Leitartikel. – Im neu erbauten Theatersaal des Frankfurter Volksbildungsheims inszenierte als Gast der Landesbühne Rhein-Main Klaus Wagner die Uraufführung streng realistisch vor einem erstaunlich wandlungsfähigen Bühnenbilde von Hermann Soherr. Wagner überforderte mit seinem Verlangen nach „Natürlichkeit“ jedoch die Sprechkunst des Ensembles. Auch sollten magische und tragische Szenen deutlicher ausgespielt werden. Das Publikum fühlte sich dennoch gepackt.

HAMBURG (Kammerspiele):

„Der Strohhalm“ von Eugene O’Neill

Vier Tage vor der offiziellen „deutschen Erstaufführung“ im Düsseldorfer Schauspielhaus fand die „Hamburger Erstaufführung“ dieses frühen O’Neill statt. Autobiographie aus der Lungenheilstätte, wo Stephan Murry (lies: O’Neill) zum Schriftsteller wird. Eine Milieustudie auch der ärmlichen Familienverhältnisse mit einem Trinker-Vater. Dennoch ist dieses Stück aus O’Neills „Strindberg-Periode“ (1919) heute noch gut spielbar, wenn man den Text so entschieden kappt, wie es in den Hamburger Kammerspielen der regieführende Dramaturg Wilhelm Allgayer tat. Ihm gelang sogar eine in den Hauptpersonen stimmende Aufführung mit Peter Roggisch (Stephan) und Elisabeth Schwarz. Die gesunde Ausstrahlung dieser überschlanken Schauspielerin vertrug sich ganz gut mit der Schwindsucht, an der Eileen Carmody leiden soll. So wurde der Strohhalm glaubhaft, das heißt die Liebe als Medizin, der Lebenswille, dem hier eine romantische Chance gegeben wird. Es ist eben ein sehr früher O’Neill. Erwähnenswert noch Gerhard Friedrich, ein Verlobter, der vor der Tbc die Flucht ergreift. Auf der kleinen Bühne ermöglichte der Kieler Philipp Blessing bezeichnende Szenerien. Jac