Von Sigmund Cliabrowski

Die Vereinigte Elektrizitäts und Bergwerks-AG (VEBA), Bonn und Berlin, ist für den Alleinaktionär Bund eine wahre Goldgrube: seit der Währungsreform hat die Gesellschaft zur Verzinsung ihres Aktienkapitals (450 Mill. DM) 234 Mill. DM an den Bund abgeführt – die neunprozentige Dividende für das Geschäftsjahr 1961/62 eingeschlossen. Hinzuzurechnen sindnoch jene 180,8 Mill DM, die die VEBA für die Kapitalerhöhungen ihrer Tochtergesellschaften Hiberina und Preußenelektra aufgebracht hat.

Nun sind aber die VEBA-Verwalter keine Alchimisten; auch sie verfügen nicht über jene sagenhafte Zauberformel, um etwa ihr „Schwarzes Gold“ – die Kohle – immer wieder in klingende Dividendenmünze umzuwandeln. Zwar ist die Kohle nicht „die“ tragende Säule des VEBA-Konzerns (selbst am Hibernia-Umsatz ist die Kohle nur mit einem Anteil von rund 25 % beteiligt), aber der verschärfte Konkurrenzkampf am Energiemarkt drückt doch auf die Erträge. So mußten im Geschäftsjahr 1961/62, über das jetzt berichtet wird, Erlöseinbußen beim Absatz von festen Brennstoffen und von Kohlenwertstoffen hingenommen werden, die indessen im chemischen Bereich und im Stromsektor des Konzerns kompensiert werden konnten. Auch die Umschlags- und Lagerbetriebe sowie der Handel entwickelten sich im Berichtsjahr zufriedenstellend.

Ohne die großzügige Investitionspolitik der vergangenen Jahre wäre diese „Kompensation“ kaum möglich gewesen. Von 1948/49 bis 1961 wurden bei Hibernia und Preußenelektra 3997 Mill. DM investiert (Modernisierung und Rationalisierung), davon allein 489 Mill. DM im Jahre 1961. Zur Finanzierung dieser Investitionen wurden bei den Tochter- und Beteiligungsgesellschaften der VEBA Kapitalerhöhungen notwendig, de wiederum die Muttergesellschaft in gewisse Fnanzkalamitäten brachte. Denn der Bund sah Sich zu einer VEBA-Kapitalerhöhung außerstande. So war die VEBA auf Anleihen angewiesen, auch in diesem Jahr muß die VEBA eine Obligationsanleihe von 100 Mill. DM begeben.

Eine gewisse finanzielle Anspannung des Konzerns geht aus der Bilanz bereits hervor: die Verbindlichkeiten erhöhten sich – gegenüber der Preußenelektra bestehen noch Einzahlungsverpflichtungen in Höhe von 16,7 Mill DM –, während sich die flüssigen Mittel verringerten. Im Gegensatz zum Geschäftsjahr 1960/61 decken die Eigenmittel nicht mehr das Anlagevermögen. Mit der Anleiheaufnahme entstanden zusätzliche Steuerverpflichtungen. Daß sich die Mehrbelastungen auf die künftigen Geschäftsergebnisse negativ auswirken werden, liegt auf der Hand.

Mit einer Kapitalerhöhung durch den Bund ist angesichts der angespannten Haushaltslage in absehbarer Zeit nicht, zu rechnen. Eine privatisierte VEBA hätte demgegenüber ganz andere Möglichkeiten, dem Kapitalbedarf ihrer Töchter in sinnvoller Weise zu entsprechen. Die VEBA wäre auch ohne weiteres privatisierungsfähig, wenn der Gesetzgeber zuvor gewisse Voraussetzungen – einheitliche Regelung der steuerlichen Privilegien in der Elektrizitätswirtschaft – schaffen würde. Der VEBA-Vorstand hätte keinen Grund, sich einer Privatisierung zu widersetzen, wenn sie von den gesetzgebenden Körperschaften beschlossen wird. Staatssekretär a. D. Prof. Hart? mann, der Vorsitzende des VEBA-Vorstandes, machte denn auch keinen Hehl daraus, daß er einen solchen Beschluß im Interesse des Unternehmens begrüßen würde. Erfolgt er nicht, dürfte der Tag nicht mehr gar zu fern sein, an dem die VEBA-Verwaltung ganz am Ende ihres Goldgräber-Lateins angelangt sein wird.