Redakteure wollen die Meinung sehr oberflächlicher Leser bisweilen durch Überschriften bilden. Dieser Versuch erhält im „BULLETIN des Presse- und Informationsamtes der Bundesgierung“ vom 7. März 1963 politischen Hintergrund: dort wird sehr ausführlich und objektiv über den Bericht der EWG-Kommission zum Stand der Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich referiert. Das 124 Seiten starke Dokument der Brüsseler Exekutive widerlegt bekanntlich die Behauptung des Generals de Gaulle, in den 16 Monate langen Sachverhandlungen sei man sich überwiegend nicht einig geworden.

In der Wiedergabe des Bulletin kommt die gegenteilige Auffassung, die die neun europäischen Kommissare in Brüssel sogar einstimmig beschlossen, zum Ausdruck. Wer indessen weder Zeit noch Lust hätte, den 303-Zeilen-Artikel genau zu lesen, gewinnt aus den vom Redakteur zwischen die Absätze gefügten Zwischentitel einen falschen Eindruck. Dort wird, fett gedruckt, jedes Negativum der Verhandlungen England–EWG hervorgehoben:

nicht geklärt – ungelöst – kein Übereinkommen – Meinungsverschiedenheiten – nur vorgeklärt – Verzögerung – Schwierigkeiten...

Um so erfreulicher, daß Prof. Walter Hallstein, der Präsident der EWG-Kommission, noch einmal öffentlich die Absicht der Kommission bekräftigte, mit dem Bericht zu wiederholen, daß eine „vernünftige Chance für den Beitritt Großbritanniens bestand“.

In dem Bericht der EWG-Kommission sind die Probleme dargelegt, wie sie sich mit dem britischen Antrag auf Verhandlungen über den Beitritt stellten. Drei Hauptpunkte sollen hier Erwähnung finden:

1. hat man im Laufe der Verhandlungen viele untergeordnete Fragen als zu wichtig bewertet;

2. ist aber für eine große Zahl von Problemen die vernünftige Lösung gefunden worden, wie sie sowohl im Interesse Englands wie in dem der sechs EWG-Staaten liegt – bei voller Übereinstimmung mit dem Vertrag von Rom;