Restaurant oder Snack-Bar: Keine Prestige-Frage Zimmer für fünf oder 200 Dollar

Von Ermano Höpner

In den Staaten ist man mit dem Ergebnis der ersten Werbewelle in Übersee ganz zufrieden. Die Bilanz sagt: Im letzten Reisejahr kamen rund 34 Prozent mehr Touristen von Übersee als im Jahr zuvor, aber als Bremse erwies sich die ziemlich verbreitete Parole, die Neue Welt sei eine ungewöhnlich teure Reisewelt. Das ist ungerecht, sagen USA-Hoteliers und -Reisebüroleute, schließlich käme es überall auf die Ansprüche an, und auch ein Tag in Paris oder Berlin könne extrem teuer sein.

Schon im Flugzeug begann mein Sitznachbar, den ich Bob nennen durfte, von seiner Heimatstadt Seattle zu schwärmen. Von dort könne man für zehn Dollar durch die Bay nach Kanada schippern und angeln, für fünf Dollar hinauf in den ewigen Schnee am Mount Rainier gondeln oder sich alle Tage gratis an den Badebuchten in Stadtnähe aufhalten. Bob kam von einer Geschäftstour durch Europa zurück, von der er eine Kuckucksuhr und eine Nachbildung des Petersdomes in Rom als Souvenirs mitbrachte. Allerdings, so lachte er, mittelalterliches Fachwerk und Säulenhallen gäbe es auch bei ihm, wenn auch nur Kopien. Sie haben eine Schwäche für die Architektur der älteren Zeit. Die Neue Welt sei im Grunde so alt wie Methusalem, so meinte Bob, wirklich neu sei sie nur hier und da und unter anderem in Las Vegas.

In einer Anzahl von Ortschaften gäbe es Hotels, in denen sich europäische Urlauber wie in Europa fühlen dürfen. Zu diesen Ferienzielen hergebrachten Stils gehört, wie ich später auf meiner Rundfahrt feststellen konnte, der Kurort Colorado Springs im Staate Colorado. Im „Broadmoor“, einem alten Grandhotel, einem der besten der Staaten, sorgen Kellner aus Baden-Baden für die Menüs. Golfplätze, Reitpferde, Sonnenterrassen, ein See, Skihänge und eine Bergbahn sind für die Unterhaltung der Gäste vorhanden. Durch eine „Pipeline“ wird der Hochgebirgsschnee auch an wärmeren Tagen herunter auf die Übungshänge gesaugt. In New Orleans kann der Reisende in französischen Restaurants speisen, im „Charterhouse“ vor Los Angeles wie in einem Schweizer Gasthaus, von eidgenössischen Leuten umgeben, wohnen, ganz abgesehen von den Möglichkeiten, die Weltstädte wie New York und Chikago bieten.

Satt für einen Dollar

Touristen, die „gezielt“ reisen, ohne an einer der aufreibenden „Rundfahrten durch die USA“ teilzunehmen, werden womöglich eher bleibende Eindrücke aus der Neuen Welt mitbringen als die eilig nach einem harten Programm Umherfahrenden. Obwohl auch das Umherpendeln auf ausgearbeiteten Routen seine Reize hat.