Die deutschen Katholiken können nur traurig und beschämt davon Kenntnis nehmen, daß im freien Westberlin ein Theaterstück „Der Stellvertreter“ aufgeführt wird, in dem das Andenken Papst Pius’ XII., dessen wir in größter Liebe und Verehrung gedenken, auf das häßlichste verunglimpft wird. Unter dem Vorwand historischer Untersuchung darüber, ob der päpstliche Stuhl während des Krieges noch mehr gegen die deutschen Greueltaten am europäischen Judentum hatte unternehmen können, ohne erst recht die radikalsten Maßnahmen auszulösen, wird mit allen Mitteln der Bühnentechnik die Person und der Charakter dieses Papstes verzerrt und verleumdet, bis aus Schwarz Weiß wird! So soll einer der edelsten Männer, den unsere Generation hervorgebracht hat, zum Schuldigen gestempelt werden für das, was Deutsche getan – und woran wir leider mit Recht immer wieder erinnert werden. Das ist keine Bewältigung der politischen Vergangenheit! Man wird dem Autor oder dem Intendanten nicht unterstellen wollen, sie hätten es darauf angelegt, einen Sündenbock zu erfinden, um damit die zu entschuldigen, die wirklich schuldig waren. Auch die literarischen Qualitäten von Hochhuths Stück mögen dahingestellt bleiben. Wenn aber wir als Deutsche uns so, ein Theater gefallen lassen, ohne es erbittert abzulehnen, machen wir uns wieder einmal anstößig vor aller Welt. Gerade in Westberlin sollte man das begreifen!