FÜR solche, die sich den ganzen Kierkegaard nicht leisten können, ihn aber im Ausschnitt zuverlässig kennenlernen Wollen; für Sammler erotischer Literatur, denen es auf Vollständigkeit ankommt, und für heiratslustige Ästheten –

Sören Kierkegaard: „Das Tagebuch des Verführers“, aus dem Dänischen von Heinrich Fauteck; Jakob Hegner Verlag, Köln/Olten; 192 S., 9,80 DM.

ES ENTHÄLT den autobiographisch-literarischen Teil der Schrift „Entweder – Oder“, in dem Kierkegaard sein durch eigene Schuld und Veranlagung unglückliches Verhältnis zu Regine Ohlsen wiedergibt und gleichzeitig ästhetisch kompensiert.

ES GEFÄLLT, weil dieses „Tagebuch“ die schriftstellerischen Qualitäten des Philosophen erweist, ohne daß das ästhetische Raffinement den Ansatz seines Denkens verschüttet. Im Gegenteil: was nur literarisch klingt, ist im Grunde Illustration des Gedankens. Die Niederschrift ebenso wie die tatsächlichen Vorfälle entsprangen einem Konzept. Falsch liest also, wer es nur als Dichtung liest. Das „Tagebuch“ enthält beides: Brillanz in der Abschilderung des konkreten Details und das Schema der subjektiv-dialektischen Konstruktion im Kierkegaardschen Denken. u. n.