Vorbemerkung: Ich will nicht hoffen, daß mein freundschaftliches Verhältnis zu den Kollegen der Feuilleton-Redaktion durch diese „Besprechung“, die keine ist, getrübt wird. Es liegt mir fern, die einschlägigen und bewährten Methoden der Rezension in Zweifel zu ziehen. Dies ist nicht etwa der Auftakt zu einer neuen Test-Serie. Die hier – ausnahmsweise – angewandte Rezensionstechnik wird keineswegs zur Nachahmung empfohlen. Sie rechtfertigt sich, wenn überhaupt, aus der Tatsache, daß zur gleichen Zeit zwei Buchtitel auf dem Markt erscheinen, die – ohne literarischen Anspruch – das gleiche Thema, wenn auch in der unterschiedlichsten Weise, behandeln: Die Rothschilds. – Irgendwelche Übereinstimmungen mit bekannten Testmethoden sind nicht ganz zufällig.

Textproben: (1) „Er starb, über 70 Jahre alt, auf eine Art, wie sie ein Grandseigneur sich wünschen mag – schwimmend in der Bucht von Montego unter dem strahlend blauen karibischen Himmel.“ (S. 266)

(2) „Dreißig Stunden lang blieb das Schicksal Europas im Pulverqualm der Kanonen auf dem Schlachtfeld von Waterloo undurchschaubar. In den späten Nachmittagsstunden des 19. Juni 1815 sprang Mr. Rothworth, einer der Agenten Rothschilds, auf ein Schiff in Ostende, in seinen Händen eine holländische Zeitung, deren Druckerschwärze noch feucht war.“ (S. 59)

Stilproben: (1) „In seinem Leben, das so hingebungsvoll dem Anhäufen von Geld gewidmet war, kannte Wilhelm nur noch ein Hobby. Man kann es hart, aber zutreffend mit dem schlichten Wort ‚Ehebruch‘ bezeichnen.“ (S. 31)

(2) „Gudula schenkte ihm ein Kind nach dem andern.“ (S. 29)

Textproben: (1) „Hauptakteur war Baron Louis von Rothschild, Alberts Nachfolger; ein eleganter, gut, kühl, man darf wohl sagen, ein angelsächsisch aussehender Mann, der Sarajewo, zwei Weltkriege, das Gestapogefängnis überlebte, um ... (fast möchte man hier ausrufen: könnte es anders sein?) in seinem siebzigsten Jahr recht vornehm beim Schwimmen im türkisfarbenen Karibischen Meer zu ertrinken.“ (S. 302 f.)

(2) „Nathans Vorsorge bewährt sich im Fall der Schlacht von Waterloo aufs beste. Einem seiner Agenten in Ostende gelingt es, die erste Zeitungsnachricht über den günstigen Ausgang der Schlacht frisch von der Presse zu erhaschen und mit dieser ein eben nach London abgehendes Schiff zu besteigen.“ (S. 62)