Wieder mit Fortune

Der größte „Gewinner“ der letzten Regierungskrise ist Paul Lücke. Der Bundeswohnungsminister, der damals mit höchstem Einsatz für die große Koalition kämpfte, sieht sich plötzlich nur noch von „Freunden“ umgeben. Der Schreck sitzt offenbar allen noch in den Gliedern. Der FDP-Bundesfinanzminister Dahlgrün unterstützt Lücke bei seinen Gesetzesvorhaben nach Kräften, die Sozialdemokraten geben sich alle erdenkliche Mühe, ihn bei guter Laune zu halten, und auch Bundeswirtschaftsminister Erhard leiht jetzt Lücke williger sein Ohr als vordem. Einem Bonner on dit zufolge hat Erhard seinem Kollegen vom Wohnungsressort im Kampf gegen die steigenden Baupreise vollste Unterstützung zugesagt. Dafür zeigte er sich Lücke wiederum erkenntlich, indem er seinen Widerstand gegen die Streichung der Grundsteuer C – der sogenannten Baulandsteuer – aufgab. Traute Gemeinsamkeit auf der ganzen Linie. Wird sie sich nun wirklich in einer aktiven Politik der Regierung zur Baumarktdämpfung „auszahlen“? Die Einschränkung des Abschreibungsparagraphen 7 b ist hier nicht genug. Diese „Maßnahme“ kann sich angesichts des großen Bauüberhangs in diesem Jahr nicht mehr preisdämpfend auswirken. Ein Baulizensierungsverfahren hat sich Lücke schon immer gewünscht, ohne aber damit beim federführenden Bundeswirtschaftsminister durchzudringen. Wird Professor Erhard jetzt mitziehen?

Am Golde hängt...

Im Wirtschaftsausschuß des Bundestages sind Zweifel laut geworden, ob es möglich sein wird, für den geplanten „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ Professoren zu finden, die den Anforderungen dieses „persönlichen Ehrenamtes“ gerecht werden. Ein Armutszeugnis für die deutsche Professorenschaft, wenn sich noch nicht einmal drei qualifizierte Hochschullehrer der Wirtschaftswissenschaften für diese verantwortungsvolle Aufgabe finden lassen. Oder gibt es hierzulande keine Wissenschaftler mehr, die wirklich unabhängig sind, die also – wie es auch das Gesetz wünscht – weder zu Wirtschaftsverbänden noch zu ähnlichen Organisationen in einem Dienst- oder Geschäftsbesorgungsverhältnis stehen? Nun, die Erklärung für dieses Professoren-Dilemma ist noch viel einfacher: Auch in einem Professorenhaushalt muß der Schornstein rauchen. Daß sich anerkannte Professoren zu nebenberuflichen Ehrenämtern drängten – lang ist es her. Der Gesetzgeber wird hieraus seine Konsequenzen ziehen müssen, will er auf die Mitarbeit der Wissenschaftler nicht verzichten. Sonst bleibt nur noch die fragwürdige Alternative, nicht nur einen – wie von der FDP vorgeschlagen –, sondern gleich drei Wirtschaftsjournalisten als „Professorenersatz“ in dieses Sachverständigengremium zu berufen.