Die Deutsche Gold- und Silberscheideanstalt vormals Roessler, Frankfurt (Main), im breiten Publikum unter der Kurzbezeichnung „Degussa“ bekannt, vermochte im Geschäftsjahr 1961/62 ihren Umsatz um 5,2% auf 1072 Mill. DM zu steigern. Zum Wachstum hat das Geschäft im Edelmetall- und im Chemiebereich mit etwa gleichen Anteilen beigetragen. Die Zunahme auf dem Edelmetallgebiet beruht im wesentlichen auf einer Ausweitung des Handelsgeschäftes. Die gesamten Handelsumsätze der Degussa, also Chemie und Edelmetall, betrugen 1961/62 428 Mill. DM. Man geht in der Annahme wohl nicht fehl, daß dabei der weitaus größte Teil auf Edelmetalle, also auf Gold, Silber und Platin fällt. Dieses Geschäft ist heute wieder sehr interessant.

Es kommt hinzu, daß die Degussa in ihrer Metallabteilung in großen Mengen Edelmetalle verarbeitet. Sie stellt nicht nur die mit ihrem bekannten Warenzeichen versehenen Barren her, sondern sie deckt auch einen erheblichen Bedarf an Goldlegierung für echte Schmuckwaren und für Dentalzwecke. Erheblich zugenommen hat der Verbrauch von Silber in der chemischen, photomechanischen und in der Elektroindustrie. Silber ist heute ein bedeutsamer Industrie-Rohstoff.

Der Edelmetallhandel ist dadurch gekennzeichnet, daß sehr große Werte umgesetzt werden, aber die Handelsspannen gering sind. Wenn das Geschäft dennoch lohnend ist, so liegt es daran, daß die Unkosten im Verhältnis zum Umsatz nicht sehr hoch sind, unverhältnismäßig kleiner jedenfalls als im Industriegeschäft.

Am Edelmetallhandel kann sich nur ein Unternehmen beteiligen, das über beträchtliche liquide Mittel verfügt bzw. sie sich jederzeit schnell beschaffen kann. Die Degussa kann zunächst auf die eigene Liquidität zurückgreifen. Unbeschränkt ist das aber auch nicht möglich. Hier liegt einer der Gründe dafür, daß die Degussa nicht nur ein Handels- und Industrieunternehmen, sondern auch ein Kreditinstitut ist. Sie steht so im Geldmarkt und und kann sich unmittelbar in kürzester Zeit große Geldbeträge beschaffen.

Die Degussa-Bestände an Edelmetallen sind in der Bilanz nicht gesondert ausgewiesen, sondern unter den Vorräten, die mit 97,8 Mill. zu Buch stehen, vermerkt. Von den in der Bilanz ausgewiesenen Vorräten fällt ein recht beachtlicher Teil auf Edelmetalle.

Die Bankabteilung der Degussa trägt den Charakter einer Hausbank. Wie schon gesagt, ist sie vornehmlich im Geldmarktgeschäft tätig. Die übrigen Geschäftsbereiche einer Bank werden nur in kleinerem Umfange betrieben. Bei der Degussa gilt der Grundsatz, daß den eigentlichen Kreditinstituten keine Konkurrenz gemacht werden soll. Die Nichtbanken-Einlagen, die im wesentlichen aus dem Konzern oder aus dem Haus kommen, betragen 23,5 Mill. DM. Daneben gibt es Bankeinlagen und Nostroverpflichtungen von 12 Mill. DM. Die Debitoren der Bank sind mit 5 Mill. unerheblich, ein eigentliches Kreditgeschäft wird nicht betrieben.

Der Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit liegt nach wie vor im industriellen Bereich. Im Geschäftsbericht heißt es hierzu, daß das Betriebsergebnis dem gewachsenen Umfange nicht gefolgt ist. Eine Schrumpfung der Gewinnspanne ließ sich nicht vermeiden. Es kam zu einem Sinken der Verkaufspreise bei einem steten Ansteigen der Kosten, nicht zuletzt für Löhne und Gehälter. Kostenaufwendig ist die Forschung; sie erfordert einen immer größeren Aufwand, ohne daß sich dies sofort in entsprechenden Gewinnen niederschlägt. Das gilt nicht zuletzt für die Tochtergesellschaft Nukem, Nuklear-Chemie und Metallurgie GmbH, Wolfgang bei Hanau. In ihr sind die Interessen für die Herstellung von Brennstoffen zusammengefaßt. Eine Bestätigung auf dem Gebiete der friedlichen Nutzung der Atomenergie ist seinerzeit auf die Degussa zugekommen, weil sie dank ihrer Erfahrungen auf dem Gebiet reiner und seltener Metalle, wie auf dem des Industrieofenbaues u. ä. für diese Arbeiten prädestiniert ist.