Von Ingrid Neumann

Während sich in den vergangenen Jahren die Verwaltung der Phoenix-Rheinrohr AG, Düsseldorf stets betont optimistisch – optimistischer als die meisten anderen Montankonzerne des Reviers – gezeigt hat, klingen in diesem Jahre auch hier vorwiegend ernste und besorgte Töne an. Zum erstenmal verzichtet auch Phoenix Rheinrohr auf eine zuversichtliche Prognose, im Gegenteil, der Lagebericht dieses großen Stahlerzeugers ist eher auf Moll gestimmt. Die Gründe dazu liefert eine in der Tat nicht gerade vertrauenerweckende Marktentwicklung.

Es seien keinerlei Anzeichen für eine echte Gesundung des Walzstahlmarktes vorhanden, hieß es in der Pressekonferenz der Phoenix-Rheinrohr AG. Schon das abgelaufene Geschäftsjahr bot keinen Anlaß zu besonderer Freude; aber die Talfahrt der Stahlindustrie geht weiter.

Die Phoenix-Verwaltung – so erklärte Vorstandsmitglied Ernst-Wolf Mommsen – habe in der Planung für das neue Geschäftsjahr durchaus mit einer rückläufigen Entwicklung gerechnet, aber die Produktions- und Umsatzeinbrüche der ersten fünf Monate 1962/63 seien größer als erwartet gewesen. Mommsen vertrat die Auffassung, daß es 1963 „wahrscheinlich keine oder zumindest nur eine sehr geringe Zuwachsrate des Stahlverbrauchs“ geben wird. Keine Zeichen also für eine Absatzbelebung, zumal die Walzstahlimporte zum Kummer der Ruhrhütten nach wie vor steigende Tendenz zeigen.

Bei Phoenix-Rheinrohr ist der Umsatz seit Beginn des neuen Geschäftsjahres nochmals um 7,6 % zurückgegangen; der Export lag in den Monaten Oktober bis Februar um 10 % unter der Ziffer des vorjährigen Vergleichszeitraumes. In diesem Rückgang zeigt sich vor allem der weitere starke Verfall der Exporterlöse. Der Auftragsbestand des Unternehmens hat sich in den letzten beiden Monaten leicht gebessert; er hat mit 364 000 t jetzt ungefähr wieder die Größenordnung vom Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres erreicht. Damit ist, wie die Verwaltung betont, die Beschäftigung der Werke für rund zwei Monate gesichert. Die Produktion ist auf der ganzen Linie eingeschränkt. Sehr wesentlich sind die Versandzahlen des Unternehmens zurückgegangen. Zwar bleibt der Absatz von Walzwerkfertigerzeugnissen mit 635 000 t nur um 1,7 % unter der Vorjahrszahl zurück, das liegt an einer fast zwanzigprozentigen Umsatzsteigerung beim Halbzeug. Aber der Roheisenabsatz liegt mit 168 000 t um 24,3 % unter dem Niveau des Vergleichszeitraumes, und um 10,6 % ist der Versand von Rohren, den Haupterzeugnissen der Phoenixgruppe, zurückgefallen.

Gerade auf dem Stahlrohrgebiet hat sich Phoenix zu „schwerwiegenden Maßnahmen entschließen müssen, um den Markt zurückzuerobern“. Der Marktanteil der Gesellschaft ist bei geschweißten Gewinderohren von 30 auf 20 % zurückgegangen. Die Importe bestreiten dafür jetzt 35 bis 40 % der deutschen Marktversorgung. Nunmehr hat sich Phoenix-Rheinrohr als erstes Werk zu einer fühlbaren Preissenkung entschlossen. Damit ist nach den Worten von Vorstandsmitglied Mommsen das bisherige Gefälle zwischen Inlands- und Exportpreis weitgehend beseitigt. Aber eine Erfolgsprognose kann die Phoenix-Verwaltung selbstverständlich nicht geben. Die Aussichten für das Geschäftsjahr 1962/63, das jetzt nahezu zur Hälfte vorbei ist, sind insgesamt nicht eben rosig.

Dem abgelaufenen Geschäftsjahr ist indessen durchaus zu bescheinigen, daß es noch einmal wieder sowohl für das Unternehmen selbst als auch für die Aktionäre recht glimpflich verlaufen ist. Die Aktionäre können mit der unveränderten Dividende von 12 % nach einem Jahr spürbarer Rückschläge in der gesamten Stahlbranche zufrieden sein. Das Unternehmen kann sich immerhin rühmen, diese an der oberen Grenze der Montandividenden liegende Ausschüttung glatt verdient zu haben.