Schabbath-Abend in Sfat – Die Gegenwart ist liberaler – Und das Schwimmbad bleibt offen

Von Dagmar Nick

Eine Katze: die letzte Passantin. Husch und hinüber und weg. Dann sind die Straßen wie ausgestorben, die steilen, gestuften, schmalbrüstigen Straßen. Die Gassen, feldsteinmauergesäumt treppauf, Kopfsteinpflaster über Dächer hin, am Abgrund hängender Gärten vorbei, Semiramisträume über sich, verwinkelt; die Maultiersteigen, die Katzenpfade – leer.

Selbst die Hauptstraße, noch am Nachmittag ein Chaos störrischer Eselskarren und Autos, ist nicht wiederzuerkennen. Still zieht sie sich rund um den Berg, durch die schief aufeinandergewürfelte Kleinstadt. Wochenendstimmung. Wer jetzt noch wagen wollte, hier entlangzufahren, würde gesteinigt, daß es Blechbeulen gibt; Am siebenten Tag sollst du ruhn. Und der Schabbath beginnt mit dem Vorabend.

Schon weht ein Purpurstreifen über die Häuser am Westhang. Hier und da rücken die Hausfrauen sich einen Stuhl ins Tor. Es gibt nichts mehr zu tun. Die Wäsche ist vom Balkon genommen, das Essen für morgen in der Kochkiste verstaut, der Feiertagskaftan gebürstet. Der Schabbath kann kommen.

Sfat ist dem Himmel näher als irgendeine andere Stadt in Israel. Es liegt achthundert Meter über dem Meer, höher als Jerusalem, und wenn die Sonne den Horizont berührt, liegt Sfat über der Sonne.

öffnet die Türen! Laßt die Engel herein. Schabbath schalom!