Von Hans Peter Richter

Ich möchte nur wissen, warum sich Menschen so hassen, daß sie sich umbringen müssen?“ fragt ein Fünfzehnjähriger in dem Jugendbuch von Franz Ludwig Neher: „Der verschwiegene Kreuzer“ (Verlag Ludwig Auer, Cassianeum, Donauwörth).

„... wird schon einen Grund haben...“ antwortet der Gefragte. Und das ist auch schon die ganze Antwort, die der Verfasser dem lesenden Jugendlichen auf die wichtige Frage nach dem Krieg gibt. Mehr nicht.

Die Jugendlichen haben den Wunsch und das Recht, mehr über den Krieg, besonders über den Zweiten Weltkrieg, zu erfahren; denn eben dieser Krieg hat auch bei jenen, die ihn nicht miterlebten, das Leben entscheidend beeinflußt.

Was trägt die Jugendliteratur zu dieser Aufklärung bei? Kampf und Krieg spielen im Jugendschrifttum eine bedeutende Rolle. Der Grund dafür liegt jedoch nicht in dem Bedürfnis der Verfasser, die Jugend über den Krieg aufzuklären. Kampf und Krieg erleichtern dem Autor den spannungsgeladenen Aufbau seines Buches; die Geschichte bietet Konflikte genug, und sie im Jugendbuch zu behandeln, verheißt pädagogische Anerkennung und vielleicht sogar pädagogisches Lob.

Desto peinlicher, vermeidet man im Jugendbuch die Darstellung geschichtlicher Ereignisse, deren öffentliche Wertung noch nicht abgeschlossen scheint, und dazu gehört auch der Zweite Weltkrieg. Welche Lehrer besitzen denn heute den Mut, offen und uneingeschränkt mit ihren Schülern über den Zweiten Weltkrieg zu reden?

Die „Schulpraktische Jugendlektüre“ von Heiner Schmidt (Alfons Eidens Verlag, Duisburg) stellt aus dem nahezu unübersehbaren Angebot an deutschsprachigen Jugendbüchern zwischen 1945 und 1960 rund 4000 Titel als „anerkannt gute Bücher“ zusammen. Darunter ist kein Buch über den Zweiten Weltkrieg.