Funk

NORDDEUTSCHER RUNDFUNK

Mittwoch, 13. März, das Hörspiel:

Heinz Pionteks Hörspiel beginnt mit dem Monolog eines Mannes in einem Segelflugzeug. Er dauert ungefähr eine Viertelstunde. Die Aktion ist unterdessen einem pfeifenden Geräusch überlassen, dem Vorbeistreichen der Luft am Flugzeug. Im Funk klingt es ähnlich wie ein starker Staubsauger. Zuweilen, verliert das Pfeifen seine Schärfe, und es sind Stimmen zu hören, Dialoge, die, vom Wind zerrissen, vorbeifliegen. Der Hörer, dem die überwirkliche Atmosphäre des Stückes noch nicht dargelegt wurde, überlegt, ob die Funkanlage Wortfetzen aus einer fremden Welle aufgefangen hat, ob der Flieger Lorenz innere Stimmen hört oder ob es sich um Gespräche handelt, die aus seiner Erinnerung aufsteigen. Dann sagt er: „Und. ich hörte die Nachrichten von Verrat und Tod und hielt die Sache des Menschen für verloren.“ Von nun an ist klar, daß es sich um jene Art von Poesie handelt, für die stimmungsvolle Unklarheit der Humus ist.

Die Zwischenlandung bringt den Flieger auf einen Gutshof, den eine wie im Traum lebende Familie bewohnt. Stimmung, bezogen aus romantischer Literatur, aus holzgeschnitzter „Einfachheit“, aus Naturkind-Drolerien wie in Hauptmanns Versunkener Glocke („Du Sonnenvögelchen von Gold, wo kommst du her“) spinnt alles ein. Ein Mädchen sagt: „Ich bin unerschöpflich ... Bücher sind wunderbar, wie Sterne.“ Der Vater: „Unser Ikarus wird hungrig sein, geh hinunter und sage Tania, sie solle eins von den Rebhühnern bringen und einen Krug Milch.“ Der Flieger: „Ich habe über deine Stimme nachgedacht, Belinda, sie ist der Morgen vor einem Abend mit Mond und Reitern.“ Belinda: „Armer Herr Flieger!“

So fern der Wirklichkeit, wie solche Sätze klingen, will Piontek sein Stück nun aber nicht placieren. Die Familie ist im Kriege geflüchtet, erfährt man, und sie ist hier geblieben, weil die politisch gefährdete Mutter hier starb. Flucht in die Abseitigkeit – und des Autors Flucht ins Papier. Selbst der alte Schäfer faßt sich gewählt: „Ich könnte einen regulären Blitz brauchen für meine Pfeife – hab’ meine Streichhölzer vergessen.“

Der Flieger fliegt wieder davon – zu seiner Frau mit dem „windhundschlanken Körper“ und dem „ausgeschnittenen Sommerkleid“. Wieder in der Luft, blickt er noch „in die Dunkelheit, von der ich auf einmal weiß, daß sie ein Raum über einem Schafstall ist“. R. H.