Von Theo Fürstenau

Die Wahrheit über den Menschen sagen: dies ist letzthin das Ziel des Films, der das Ansinnen stellt, ernst genommen zu werden.

Das Negative ist verhältnismäßig leicht formuliert, und es ist noch leichter zu besichtigen: nämlich in der Filmkonfektion, in der sich die rosarote Auskunft über das Leben unnachsichtig anbietet.

Auskunft über das Leben: da umgibt sich der Mensch mit dem Glamour der Wohlanständigkeit, obgleich es meist mit der Trefflichkeit seines Handelns nicht sonderlich weit her ist. Sinn für Ethos wird vom Gefühl überdeckt. „Die Liebe hat immer recht“, heißt es. Ist da Ehebruch noch eine Frage, die zu bedenken sich lohnt? Er ist Nebensächlichkeit in der Filmkonfektion, die nicht die wirklichen Verstrickungen der Leidenschaft kennt und sich mehr als zulässig beim Sentiment aufhält, das der mühsam konstruierten Geschichte trübe Erbaulichkeit zuschiebt.

Man nennt das wohl auch Lebenshilfe Der Zuschauer, der derlei bevorzugt, soll von seinen eigenen Lebenserfahrungen abgelenkt werden, die ihm Unbehagen bereiten. Ihm ist die Behaglichkeit der Erbauung zugedacht, die sich zynische Filmschreiber ausdenken.

Erbauung aber ist bloße Äußerlichkeit, die das moralisch Bedenkliche bedenkenlos einbezieht, es mit gefühlvollen Phrasen verziert, es also formell unkenntlich macht und eben dadurch suggestiv als annehmliche Lebensauskunft ins Spiel bringt.

Nur keine Düsternis, keine Mitteilung über den Menschen, wie er wirklich ist oder wessen er nach mancherlei Erfahrung fähig zu sein scheint. Manchmal möchte man glauben: „Lebenshilfe“ sei der Deckbegriff für die Absicht, die Unwahrheit über den Menschen zu verbreiten.