Von Joachim Joesten

Am 25. und 26. März findet in Baden-Baden eine Konferenz der Finanzminister der EWG-Staaten statt. Auf der Tagesordnung steht ein Problem, das unseren französischen Nachbarn seit einiger Zeit große Sorgen bereitet: die Investitionen der Amerikaner in Europa.

In letzter Zeit ist es in der französischen Presse auffallend still geworden um ein Thema, das noch bis vor wenigen Wochen wirtschaftliches Tagesgespräch war: Die sogenannte „Dollar-Invasion“ bzw. der „industrielle Ausverkauf“ Frankreichs. Gemeint war damit die angebliche Überfremdung bedeutender Wirtschaftszweige infolge massiver amerikanischer Investitionen, über die sich auch der französische Finanzminister Giscard d’Estaing und andere hochgestellte Politiker öffentlich beklagt hatten.

Für die jetzt auf diesem Gebiet herrschende Zurückhaltung gibt es zumindest zwei gute Gründe. Erstens einmal haben Frankreichs Partner in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft deutlich zu verstehen gegeben, daß sie bei der von der Pariser Regierung recht unvermittelt hochgespielten Kampagne gegen die amerikanischen Investitionen in Europa nicht mitzumachen gedenken. Zum anderen aber ist der Rückzug des amerikanischen Kapitals aus Frankreich bereits in vollem Gange – schneller und gründlicher, als es den Franzosen selbst lieb sein dürfte.

Bevor wir auf diese beiden Punkte eingehen, ist es angezeigt, die tatsächlichen Gegebenheiten des Problems einmal nüchtern zu betrachten. Wie groß ist der Umfang der amerikanischen Investitionen in Frankreich wirklich, und wie sieht es mit den Kapitalanlagen aus USA in den übrigen europäischen Ländern aus?

Vor kurzem ist in dem großen Pariser Wochenblatt L’Express. eine eingehende Untersuchung über dieses Problem erschienen. Wie der Verfasser dieses Artikels, Michel Bosquet, feststellt, haben seit dem Anlaufen der EWG im Jahre 1958 insgesamt rund 1500 amerikanische Firmen in Europa Niederlassungen gegründet, wovon ungefähr 1000 auf das Gebiet des Gemeinsamen Marktes entfallen. Innerhalb dieser Gruppe steht Frankreich mit 278 Neuanlagen mit Abstand an der Spitze, gefolgt von 215 für die Bundesrepublik, 197 für Italien und 311 für die Benelux-Länder zusammen.

Diese Zahlen, so unterstreicht der französische Verfasser, vermitteln jedoch kein richtiges Bild der Lage; denn in zahlreichen Fällen handelt es sich bei diesen Niederlassungen auf europäischem Boden nur um sogenannte „Brückenköpfe“. Das heißt, daß gewisse amerikanische Großkonzerne in Europa Filialen begründet haben, die vorläufig mehr oder weniger nur auf dem Papier stehen und hauptsächlich zu dem Zweck eingerichtet worden sind, um der Konkurrenz aus dem eigenen Lande zuvorzukommen.