Nach landläufiger Ansicht sollten festverzinsliche Papiere nicht zum Spekulieren benutzt werden. Und in der Tat sind die Chancen, Kursgewinne zu erzielen, auch gering. Das schließt natürlich nicht aus, daß beispielsweise zur Zeit umfangreiche Rentenkäufe in Erwartung einer Zinssenkung vorgenommen werden. Wer in der Lage ist, beträchtliche Mittel für die vorübergehende Anlage in Renten verfügbar zu machen, kann – wenn sich die Spekulationen auf eine Senkung des Nominalzinses erfüllen – ansehnliche Kursgewinne erzielen. Wer daneben bereit ist, gewisse Risiken auf sich zu nehmen, kann heute außer einer hohen Nominalverzinsung auch noch die Aussicht auf einen hübschen Kursgewinn „einkaufen“. Das ist möglich bei der wenig bekannten 6 1/2prozentigen „Äußeren Anleihe“ der Republik Argentinien.

Mit der über 25 Mill. Dollar lautenden 6 1/2prozentigen Äußeren Anleihe der Republik Argentinien von 1961 hat es eine besondere Bewandtnis. Der Anleiheerlös diente damals der Rückzahlung kurzfristiger Schulden, die der argentinische Staat zur Finanzierung produktiver Investitionen aufgenommen hat. 1961 sah man die politische und wirtschaftliche Entwicklung Argentiniens optimistischer als heute an, und es fand sich ein europäisches Bankenkonsortium unter Führung der Schweizerischen Kreditanstalt, Zürich, und der Deutschen Bank, die Anleihe zu übernehmen. Das Konsortium, dem 22 namhafte Banken angehörten, bot die Emission zum Kurs von 95 % an. Aber ziemlich erfolglos, schon damals erschien den Anlegern das politische Risiko zu groß. So kam es, daß nur geringe Beträge in Umlauf gesetzt werden könnten. Die Masse der Anleihe liegt also noch in den Portefeuilles der Banken.

Das ist auch der Grund, warum die Zulassung der Anleihe zur Züricher Börse immer noch zurückgestellt wird. Es fehlt an flottantem Material. Hinzu kommt, daß sich das Bankenkonsortium scheut, eine Anleihe weit unter dem damaligen Ausgabekurs an die Börse zu bringen. Denn inzwischen ist der Kurs der Anleihe (in Frankfurt wird sie amtlich notiert) auf etwa 76 % zurückgegangen. Der niedrigste Kurs lag um die Jahreswende bei 68 %. Auf dieser Basis scheint es nunmehr Anleger zu geben, die bereit sind, das politische Risiko zu tragen. Schließlich winkt ja auch eine ungewöhnlich hohe Verzinsung.

Rechnen wir, meine verehrten Leser: Bei einem Kurs von 78 % und einer Verzinsung von 6 1/2 % ergibt sich eine laufende Rendite von etwa 8,3 %. Sie unterliegt der tariflichen Besteuerung.

Nun könnte man noch das Rückzahlungsdisagio dazurechnen. Man käme dann auf eine Rendite von über 10 %. Allerdings sollte man bei der Berücksichtigung des Tilgungsgewinn vorsichtig sein. Vom 1. Juli 1967 an ist die Emission in sechs gleichen Jahresraten von je 3 Mill. Dollar zum Nennwert rückzahlbar. Eine weitere Rate von 7 Mill. Dollar wird am 1. Juli 1973 getilgt. Theoretisch ließe sich die mittlere Laufzeit ausrechnen, aber das nützt insofern nicht viel, als der Emittent an der Börse erworbene Stücke bei der Tilgung anrechnen kann. So lange die Anleihe also weit unter 100 % notiert, wird der argentinische Staat tunlichst seine Anleihe billig über die Börse zurückkaufen. Er spart dadurch viel Geld. Für die privaten Besitzer der Anleihestücke bedeutet dies, daß sie unter Umständen bis nahe 1973 auf eine Tilgung warten müssen.

Nun noch etwas zu den Sicherheiten und Risiken. Währungsschwierigkeiten bestehen nicht. Die Anleihe lautet auf Dollar, ihre Zinsen werden in Dollar gezahlt. Zins- und Tilgungsbeträge können aber auch zu festen Umrechnungskursen in belgischen Franken französische Franken, DM, italienischen Lire, holländischen Gulden oder Schweizer Franken verlangt werden. Bislang ist der argentinische Staat seinen Zinsverpflichtungen voll nachgekommen. Er hat auch die Bedingungen, die man ihm hinsichtlich der Kurspflege der Anleihe gestellt hat, befriedigend erfüllt.

In der Vergangenheit hat sich Argentinien in bezug auf seine internationale Anleihen stets als guter Schuldner erwiesen. Und es besteht kein Grund zu der Annahme, daß bei ihm die Absicht besteht, dieses Verhalten zu ändern. Wenn viele Anleger dennoch Bedenken haben, dem südamerikanischen Staat Argentinien ihr Geld anzuvertrauen, dann kommt darin die Furcht zum Ausdruck, daß der „Fidelismus“ eines Tages von ganz Mittel- und Südamerika Besitz ergreifen wird. Hierzu will ich mich nicht weiter äußern, denn das ist eine politische Frage, meine verehrten Leser, die jeder Anleger für sich selbst beantworten muß. Leider ist es ja so, daß die finanzkräftige Führungsschicht Südamerikas zu ihrer eigenen Fähigkeit nur wenig Zutrauen hat, denn andernfalls würden sie ihre eigenen Vermögen nicht im neutralen Ausland halten. In vielen südamerikanischen Ländern wäre die Kapitalnot mit einem Schlage zu beseitigen, wenn es gelänge, das „ausgelagerte“ Vermögen der eigenen finanziellen Oberschicht zur „Heimkehr“ zu bewegen. So lange dies nicht geschieht, werden wir (oder noch mehr die Amerikaner) ständig „Entwicklungshilfe“ geben müssen.