-ge, Bremen

Die Bremer SPD hat erstaunlich schnell die Frage der Spitzenkandidatur für die Bürgerschaftswahl am 29. September gelöst. Sie hob einfach Wilhelm Kaisen von neuem auf ihren Schild. Freilich ist es bis heute noch unklar, ob der „Landesvater“ nach erfolgreicher Wahl auch tatsächlich für weitere vier Jahre im Amt bleiben wird. Denn während die Partei offiziell erklärt, der Sechsundsiebzigjährige habe nicht die Absicht, vorzeitig „auszusteigen“, wurde auf dem Landesparteitag ebenso offiziell festgestellt, Kaisen halte an seinem schon mehrfach geäußerten Rücktrittswunsch fest; er verschiebe ihn nur mit Rücksicht auf die besondere Situation.

Die Situation ist in der Tat prekär. Nicht allein daß der Verzicht des kranken Bürgermeisters Adolf Ehlers auf die Spitzenkandidatur den so sorgsam zusammengestellten politischen Fahrplan der Bremer SPD durcheinanderbrachte. Es zeigte sich auch, daß die stärkste Partei in der Hansestadt keinen Kandidaten hat, der für Ehlers einspringen könnte.

Aus dieser Klemme befreite sich nun Bremens SPD auf eine für die Hansestadt bislang ungewohnte Weise: Sie übertrug dem amtierenden Regierungschef noch einmal die Spitzenkandidatur und bestimmte gleichzeitig den neunundfünfzigjährigen Bildungssenator Willy Dehnkamp zu seinem Nachfolger. Damit glauben die Sozialdemokraten, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen zu haben: Sie können auch diesmal wieder im Wahlkampf einen „Landesvater“ vorweisen und brauchen der Bevölkerung nicht einzugestehen, daß es auch in Bremen ein Nachfolgeproblem gibt.

Damit ist auch der Opposition, der CDU, vorerst der Wind aus den Segeln genommen worden. Schon vor Monaten, als das Ausscheiden Kaisens beschlossene Sache war, hatte ihr Landesvorsitzender, Bürgermeister a. D. Dr. Jules-Eberhard Noltenius, die Frage aufgeworfen: „Was kommt nach Kaisen?“ Er hatte darauf spekuliert, den parteipolitisch nicht gebundenen Wählern auf diese Weise einreden zu können, die Kaisen-lose werde eine schreckliche Zeit sein.