Drei Wochen vor Schatzkanzler Maudlings Budgetrede ist das Pfund schwach geworden – allerdings nur für ganz kurze Zeit. Die letzte größere Kursbaisse (Ende Januar) kam im Gefolge des Brüsseler Fiaskos in den England-Verhandlungen. Damals flohen hauptsächlich ausländische Sterling-Besitzer aus der Währung, diesmal waren es die Briten selbst. Die großen Importeure, die ja auf längere Zeit hinaus zur Bezahlung ihrer Bezüge aus dem Ausland fremde Valuten brauchen, haben sich heute schon mit Dollars für den Herbst eingedeckt. Grund: Das Gerücht um eine unvermeidliche Abwertung des Pfundes hat sie unsicher gemacht.

Der neue Wirtschaftsplan des NED empfiehlt der englischen Regierung eine Ankurbelung der Wirtschaft. Man weiß allgemein, daß etwas geschehen muß, wenn in absehbarer Zeit die rezessionsähnliche Lähmung behoben werden soll. Da es sich aber, wie drüben in den USA, um eine Gewaltkur handeln dürfte, sehen manche Wirtschafter (obschon sie das Ziel der Regierung anerkennen) bei der Durchführung gewisse Schwierigkeiten voraus. Die Ankurbelung dürfte einmal zuerst eine starke Vermehrung der Importe auslösen (die Exporte ziehen dann zwar später schon nach) und das könnte über die Kräfte der britischen Zahlungsbilanz gehen.

Andere sind noch skeptischer. Sie behaupten kurz und bündig, daß der englische Export (der zur Steigerung des britischen Wachstums unerläßlich ist) bei den herrschenden Kostenverhältnissen und der augenblicklichen Wettbewerbslage Albions nicht in Schwung komme – es sei denn, man werte ab oder ... Und leider sind die möglichen Varianten für das „oder“ der breiten Öffentlichkeit und auch der Wirtschaft nicht so leicht ins Ohr gegangen wie das Wort „Abwertung“, Deshalb der kurze Schock für das Pfund, der jedoch mit verhältnismäßig leichter Hand von der Bank of England abgewehrt wurde. Etwa 100 Mill. Dollar sind auf den Markt geworfen worden und somit aus der Devisenreserve der Notenbank abzuziehen. Kleiner Betrag, wenn man an die Transaktionen denkt, auf die sich die Zentralbankpräsidenten der wichtigsten europäischen Länder, der USA und Kanada mittels eines Gentleman’s Agreement vorbereitet haben.

Einiges Kopfzerbrechen wird man sich aber in England in den kommenden Monaten, bei allen Ankurbelungensversuchen, über das Pfund doch machen müssen. Rle.