Von Uwe Nettelbeck

Bevor der in der Bundesrepublik studierende Inder Prodosh Aich mit der Materialsammlung für seine Dissertation begann, ging es großzügig her: Das Auswärtige Amt, die UNESCO und das Kultusministerium in Düsseldorf stellten ihm – aus Interesse an seinem Thema – erhebliche Mittel zur Verfügung, welche die langwierige und komplizierte Untersuchung finanziell sicherten.

Aich entwarf sorgsam ausführliche Fragebogen, die mit Fang- und Kontrollfragen so wohlüberlegt und geschickt durchsetzt waren, daß seine Gehilfen – deutsche Soziologie-Studenten – von den an fünf bundesdeutschen hohen Schulen interviewten dreihundertundsechsundachtzig Ausländern mehr Antworten nach Hause trugen, als diese unmittelbar gegeben hatten. Schwierigkeiten waren nicht ausgeblieben: Die erforderliche Einsicht in die Karteien der akademischen Auslandsämter wurde in einem Fall (Aachen) verweigert (wiederholte Anfragen des Direktors des Soziologischen Instituts der Universität Köln nach einer Begründung blieben unbeantwortet), in zwei Fällen (München, Hamburg) außerordentlich erschwert. Als die Arbeit dann nach Monaten vorlag, bedauerte das Auswärtige Amt, die versprochenen vierhundert Exemplare nicht abnehmen zu können, und bestellte lediglich fünfzig. Nur ein Zuschuß der Kölner Universität erlaubte schließlich die Veröffentlichung.

Unter solchen Begleitumständen, die nun das Buch unfreiwillig propagieren, entstand diese Untersuchung über ein ohnehin schon explosives Thema –

Prodosh Aich: „Farbige unter Weißen“; Beiträge zur Soziologie und Sozial-Philosophie, herausgegeben von René König, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln; 315 S., mit einem Anhang, 16,80 DM

die allerdings Zahlen und Fakten zutage fördert, die in bemerkenswerter Eindeutigkeit aufzeigen, daß das offizielle Verhalten Entwicklungsstudenten gegenüber und die damit verbundene Stipendienvergabe scharfen Vorwurf und Kritik verdienen.

Die Konzeption der Arbeit ist einleuchtend: Aus Presseveröffentlichungen stellte Aich in neun Punkten verbreitete Ansichten über das Ausländerstudium zusammen, prüfte jeden einzelnen auf seinen Wahrheitsgehalt und kam dabei zu überraschenden Feststellungen. So studieren beispielsweise asiatische Studenten trotz gegenteiliger Beteuerungen oft nur deshalb in der Bundesrepublik, weil sie den Anforderungen ihrer Heimatuniversität nicht genügen, und nicht etwa, weil Deutschland für sie das „klassische Land abendländischer Bildung und Wissenschaft“ ist.