Gegen eine allzu pessimistische Beurteilung der Stahlsituation wandte sich der Vorstandsvorsitzende der Stahlwerke Südwestfalen AG, Geisweid, Dr. h. c. Karl Barich, auf der diesjährigen Pressekonferenz des Unternehmens. Man müsse sich davor hüten, die gegenwärtige Entwicklung zu dramatisieren; das sei nicht gut für die Konjunkturerwartungen. Das sind rare Worte in diesen Wochen, da es auf der Tagesordnung steht, über die schweren Rückschläge im Stahlgeschäft bewegt zu klagen. Allerdings ist Südwestfalen auch kein Massenstahlerzeuger, und beim Edelstahl gehen die Uhren doch ein wenig anders. Zumindest in Geisweid; denn auch innerhalb der Edelstahlbranche gehört das „revierferne“ Unternehmen zu den unbestrittenen Spitzenreitern. Ein Vergleich mit dem bereits veröffentlichten Abschluß des zweiten großen Edelstahlerzeugers, der zur Thyssengruppe gehörenden Deutsche Edelstahlwerke AG, zeigt deutlich den Vorspung der Stahlwerke Südwestfalen.

Mit einem Umsatzrückgang von 3,4%, auf 702 (728) Mill. DM, hat sich das Siegerländer Unternehmen im Geschäftsjahr 1961/62 vergleichsweise gut gehalten. Erlösrückgänge haben zwar auch hier das Umsatzvolumen beeinflußt; der Wertumsatz ist stärker rückläufig als der Mengenversand. Aber weiterhin gute Zuwachsraten in der Verarbeitung haben den Ausgleich gebracht. Der bereits von anderen Unternehmen berichtete Erlösverfall auf den Exportmärkten traf auch die Geisweider Gruppe, die jedoch nur mit einem vergleichsweise kleinen Anteil ihres Umsatzes in den Export geht. Im Berichtsjahre hat Südwestfalen rund 10 (7,4) % vom Gesamtumsatz exportiert. Ungeachtet der gegenwärtig unerfreulichen Entwicklung auf den Auslandsmärkten strebt das Unternehmen weiterhin eine Ausweitung seines Ausfuhranteils, mindestens auf den in der Edelstahlindustrie üblichen Durchschnittssatz von 13 bis 14 % an. Ein forcierter Auf- und Ausbau der eigenen Vertriebsgesellschaften im Ausland dient diesem Ziele.

Die Produktionskurve des abgelaufenen Geschäftsjahres zeigt im Grunde nur bei den besonders marktschwachen Erzeugnissen wie Walzdraht, gezogener Draht und Blankstahl größere Einbrüche. Die Rohstahlerzeugung hat mit einer Zuwachsrate von 3,6% sogar erstmals die als Ziel angestrebte Grenze von 500 000 t überschritten. In den ersten Monaten des laufenden Geschäftsjahres konnten, im Gegensatz zu nahezu allen anderen Montanunternehmen, die bisher ihre Ergebnisse veröffentlicht haben, Umsatz und Produktion immerhin auf dem Niveau des Berichtsjahres gehalten werden. Allerdings schränkt die Verwaltung diese recht günstige Aussage insoweit ein, als sie betont, daß auch hier die Erträge schrumpfen.

Bereits im Geschäftsjahr 1961/62 ist aus dem vorgelegten Abschluß eine Ertragsverschlechterung deutlich abzulesen, aber es steht auch außer Zweifel, daß Südwestfalen noch vergleichsweise gut abgeschnitten hat. Mit der unveränderten Dividende von 14 % – auf das allerdings nicht übertrieben hohe Kapital von 40 Mill. DM – brauchte sich das im Mehrheitsbesitz der Flickgruppe befindliche Unternehmen durchaus nicht zu übernehmen. Vorstandsvorsitzender Dr.Barich betonte in der Pressekonferenz ausdrücklich, daß alle steuerlichen Gewinnverwendungsmöglichkeiten voll ausgeschöpft worden sind. Der für die Dividende erforderliche Betrag von 5,6 Mill. DM ist allein von den Organtöchtern mehr als verdient worden. Die Erträge aus Gewinnabführungsverträgen sind im Berichtsjahre auf 5,7 (4,5) Mill. DM gestiegen.

Daß Südwestfalen diesmal keinen Spielraum mehr hatte, die offenen Reserven zu stärken – im Vorjahr war eine Rücklagendotierung in Höhe von 8 Mill. DM vorgenommen worden –, liegt im wesentlichen wohl an einem Anstieg der Lohnkosten um runde 10 Mill. DM auf 89,8 (79,2) Mill. DM. Abschreibungen sind ebenfalls auf 19,9 (17,4) Mill. DM erweitert worden. Ein ansehnlicher Teilbetrag ist indessen über die auf 7,2 (13,9) Mill. DM zurückgeführten sonstigen Aufwendungen wieder eingespart worden. Ertragssteuern werden im Berichtsjahre mit 23,8 (29,9) Mill. DM ausgewiesen. nmn