BREMEN (Theater am Goetheplatz):

„Music Man“ von Meredith Willson

Kurt Hübner hat seiner Bremer Theaterarbeit einen Tiefschlag versetzt, indem er dieses Musical annahm. Ist eine „deutsche Erstaufführung“ denn so begehrenswert? 1957 soll „Music Man“ am Broadway der erste große Erfolg seiner Gattung nach „May Fair Lady“ gewesen sein. In Bremen besitzt man Peter Zadek für die Regie, und ihm fällt beim Inszenieren ein Gag nach dem anderen ein. Doch auch „entfesseltes Theater“ muß ein Minimum an Werksubstanz aufweisen, sonst wirkt sogar eine sich überschlagende Bühnenschau fade. „Music Man“ ist, mindestens in seiner deutschen Bearbeitung, ein Schmarren. Ein hochstapelnder Handelsvertreter dreht in kleinen amerikanischen Städten Einfaltspinseln Musikinstrumente und Phantasieuniformen an. Bevor es zur Gründung der jeweils versprochenen Kinderblaskapelle kommt, pflegt der Handelsmann zu verschwinden. In River City jedoch wird er von der Liebe eines späten Mädchens gepackt, obwohl diese Klavierlehrerin den angeblichen Musikprofessor längst als Schwindler durchschaut hat. Beim Happy-End tutet überraschenderweise die versprochene Kapelle ein „Menuett in C“. Wie vermögen wohl Knäblein Blasmusik so fix zu erlernen? Blühender Blödsinn ist sicherlich Operettenvorrecht. Hier fehlt es zu allem noch an musikalischem Pfiff. Die Einfallsarmut dieser Musik ist kaum zu unterbieten. Aus nichts etwas zu machen, mag eine Kunst sein, die amerikanische Musical-Darsteller beherrschen. In Bremen, strampelte sich fast das ganze Schauspielensemble ab, dazu der Chor, das Ballett und ein Orchesterchen unter dem wenigstens vom Scheinwerfer erhellten Gast Gareth Davies. Tant de bruit! Im Gedächtnis haften lediglich die Bühnenbilder, mit denen Wilfried Minks sein apartes Talent abermals auswies.

HAMBURG (Thalia-Theater):

„Hören Sie zu“ – „Geben Sie acht“ von Peter Shaffer

Zwei lustige Einakter stellen sich in Deutschland mit schlechten Überschriften vor. Die englischen Titel sind viel beziehungsreicher: „The Private Ear“ und „The Public Eye“. Im ersten empfängt der Musikschwärmer Bob auf seiner Bude Damenbesuch, der mißglückt. Das Dutzendmädchen geht zu Ted über, der seinem Freund eigentlich nur beim Kochen und Servieren und bei der einleitenden Konversation helfen sollte. Drei Personen, vom Autor knapp umrissen, leben auf der Bühne. Lachen kann außerdem, wer kein Griesgram ist. Peter Striebeck, Horst Michael Neutze und Karin Lieneweg spielten treffend das Trio. Weniger stimmte es im zweiten, anspruchsvolleren Stück. Hier hätte Hans Paetsch, der Regie führte, selber den Ehemann spielen sollen, der seine Frau belehrt, belauert und schließlich von einem Privatdetektiv überwachen läßt. Dieser Mann ist trotz allem ein Herr und ein Liebender. Beides vermochte Karl-Heinz Gerdesmann nicht glaubhaft zu machen. Apart, kapriziös Eleonore Schroth, nach deren Beobachtung der Privatdetektiv seinem Auftraggeber die Liebeslehre erteilt, er möge seiner Frau drei Wochen lang, so wie es der Detektiv getan, auf Schritt und Tritt folgen, ohne sie anzusprechen. Man könnte diesen Sketch auch über die stützende Psychologie hinweg ganz auf enfant terrible „Privatdetektiv“ spielen. Doch solche Virtuosität des glitzernden Wortes und der komödiantisch attraktiven, überraschenden Wendungen ist Peter Maertens’ Sache nicht. So rutschte die Unterhaltung in eine Region, deren Tiefe nicht ausgelotet wurde. Jac