Von John Davy

Eine Bestätigung der Hypothese über die Entstehung sehr intensiv strahlender Radiosterne, die der britische Astronom Fred Hoyle und sein amerikanischer Kollege William A. Fowler vor vier Wochen veröffentlicht haben, ist in der letzten Ausgabe der englischen Zeitschrift „Nature“ erschienen.

Nach der Hoyle-Fowler-Theorie können ganze Spiralnebel plötzlich in sich zusammenfallen. Dieser Prozeß beginnt damit, daß ein in der Nähe des Spiralnebelzentrums befindlicher Riesenstern, der aus einer gigantischen Gaswolke besteht, sich aufheizt. Zunächst kömmt es zu einer thermonuklearen Reaktion, an der – ähnlich wie bei einer H-Bombe – Wasserstoff beteiligt ist; danach reagieren die schwereren Elemente Helium, Sauerstoff und Kohlenstoff. Bei diesem Prozeß steigt die Temperatur auf über 500 Millionen Grad.Ein kleiner Stern würde bei einer derartigen Hitze explodieren. In der riesenhaften Wolke jedoch tritt nach Ansicht der beiden Forscher der umgekehrte Effekt ein: Der Stern „implodiert“, das heißt, unter dem Einfluß einer großen Schwerkraft rasen die Materieteilchen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit auf den Mittelpunkt zu. Dabei sendet die bewegte Materie intensive Radiostrahlen aus.

Ein Spiralnebel, in dem gegenwärtig ein solches Ereignis stattzufinden scheint, ist jetzt, wie aus zwei Beiträgen in „Nature“ hervorgeht, identifiziert worden. Zunächst haben drei australische Radioastronomen, C. Hazard, M. B. Mackey und A. J.Shimmins, mit dem 70-m-Radioteleskop bei Sidney die genaue Position der sehr starken Radioquelle 3 C – 273 ermitteln können. Daß dies mit einer besonders hohen, bisher unerreichten Präzision gelang, verdanken die Wissenschaftler dem Mond, der sich während der Beobachtungszeit zwischen Radiostern und Erde schob und dadurch den Strahl vorübergehend unterbrach.

Die Messungen ergaben übrigens, daß es sich um ein doppeltes Objekt handelt, dessen einer Teil, die sogenannte Komponente B, einen verhältnismäßig kleinen Kern haben muß, der außergewöhnlich intensive elektromagnetische Wellen abstrahlt.

Mit dem größten optischen Teleskop der Welt photographierten Astronomen am Mount Palomar Observatorium die Gegend am Himmel, in der 3 C – 273 von den australischen Forschern lokalisiert worden war. Auf der Platte könnte man an dieser Stelle tatsächlich ein Objekt erkennen, das wie ein Stern 13. Größe aussah, von dem nach einer Seite hin ein leuchtender Strahl ausging. Die Position dieses Sterns fällt mit dem berechneten Ort der Komponente B zusammen, und die Position des Strahls korrespondiert mit der des anderen Teils der Radioquelle.

Wie mir Professor Hoyle am Sonnabend auseinandersetzte, könnte es sich bei 3 C – 273 um einen höchst sonderbaren Stern in unserer Milchstraße handeln, der auf sehr ungewöhnliche Weise Radiowellen produziert. Viel naheliegender als diese Interpretation der Beobachtung sei jedoch die Annahme, daß der Radiostern in Wirklichkeit der Kern eines weit entfernten implodierenden Spiralnebels ist, und der leuchtende Strahl ein Stück, das sich bei dem gewaltigen kosmischen Ereignis von dem kollabierenden Riesenstern im Zentrum gelöst hat.