Von Horst S. Vetten

Eishockey-Weltmeister werden per Rechenschieber ermittelt. Vor zwei Jahren waren die Tschechen nur um den Titel gekommen, weil sie vier. Tore weniger geschossen hatten als Kanada. Diesmal holten sich die Russen den Titel, weil sie fleißiger. Tore geschossen hatten als die Konkurrenz.

In Stockholm aber ging das weitaus knapper her, als vor zwei Jahren in Genf. Im Endspiel standen sich zwar – wie sich das gehört – nur zwei Mannschaften gegenüber: Kanada und die Sowjetunion, aber eine dritte wirkte im Geiste mit: Schweden.

Hätten die Kanadier beispielsweise nur zwei winzige Törchen mehr geschossen und 4:4 gespielt, anstatt 2:4, so wären die – Schweden Weltmeister geworden. So vertrackt wird das, wenn schlechte von guten Toren subtrahiert werden ...

Nun ist es also geschehen, und die Kanadier werden mit unguten Gefühlen heimfahren; dortzulande spaßt man nicht mit Verlierern. Gleichsam in der Böse-Buben-Ecke standen in Stockholm jedoch die Tschechen: sie erst hatten den Russen den Weg zur Weltmeisterschaft freigemacht. Sie brachten den Schweden die einzige Niederlage des Turniers bei, was ihren Trainer Jiri Anton zu dem heiteren Kommentar veranlaßte: „Wir sind eben eine Skandalmannschaft; wenn wir die Weltmeisterschaft schon nicht gewinnen, so entscheiden wir sie wenigstens.“

Für den obligaten Flaggenskandal bei der Eishockey-Weltmeisterschaft sorgten wieder die Deutschen – diesmal allerdings jene aus der Zone. Sie, die vorher heuchlerisch auf das Reglement gepocht hatten, als das Weltmeisterschafts-Direktorat der Mannschaft der Bundesrepublik ausnahmsweise einen dritten Torhüter zugestehen wollte, verstießen dann selbst grob gegen das Zeremoniell. Der Fahne der Bundesrepublik wandten sie den Rücken zu, und als das Deutschlandlied erklang, spieen sie aus.

Zornrot verkündete der europäische Präsident des Welteishockey-Verbandes, er werde scharfe Maßnahmen ergreifen; aber es kreißte der Berg und gebar eine Maus: die Zone wird für drei Morate gesperrt – im Sommer!