Marionetten lassen sich sehr leicht in Gehenkte verwandeln. Die Stricke sind schon da.

Stanislaw Lee

Stellvertreter im Ausland

Rolf Hochhuths Schauspiel „Der Stellvertreter“ wurde bereits von vier ausländischen Bühnen zur Aufführung angenommen. Leon Epp, der Direktor des Wiener Volkstheaters, erwarb eine Option auf die österreichische Erstaufführung, in London hat Peter Halls Royal Shakespeare Company für das Aldwych Theatre als erste zugegriffen, die holländische Schauspielbühne „Haag’sche Comedie“ wird mit dem Stück auf Tournee durch die niederländischen Theaterstädte gehen, und Friedrich Schramm, s:it kurzem Intendant in der Schweiz, hat sich den „Stellvertreter“ für das Stadttheater Basel gesichert. Bei einer Umfrage der Münchner „Abendzeitung“ stellte sich heraus, daß weder Helmut Henrichs, der Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels, noch August Everding, der zukünftige Chef der Kammerspiele, Hochhuths Drama aufführen will.

Zensur im Westen

Die Filmzensur in Spanien ist weiter verschafft worden. Es werden künftig Filme verboten, die Selbstmord, Ehescheidung, Ehebruch, unerlaubte erotische Beziehungen und Empfängnisverhütung rechtfertigen. Angriffe auf das klerikale Zeremoniell, die katholische Kirche, die „Grundprinzipien des Staates“ und auf Franco werden nicht mehr geduldet. Die Bereitschaft zur Landesverteidigung darf nicht zersetzt, der Haß zwischen sozialen Klassen (welche Klasse könnte wohl in Spanien Haßgefühle gegen eine andere hegen?) darf nicht geschürt werden. Damit hat Spanien die Länder des Ostblocks – zum Beispiel die Sowjetunion, von Polen ganz zu schweigen – überflügelt. Die Forderung des CDU-MdB von Merkatz nach engerem Kontakt zum fortschrittlichen Spanien klingt uns noch in den Ohren.

Dreimal Berlin