Acht Fernseh-Damen wurden „ausgebootet“

Köln

Im Büro von Walter Erasmy, dem Leiter des Regionalprogramms „Hier und Heute“ beim WDR-Fernsehen, hängt ein „Vergißmeinnicht“. Zart und doch Mittelpunkt in einem Gewirr aus Kameras, Kabeln, Lampen, Beleuchtungsbrücken und Mikrophonen präsentiert es sich auf einer Photographie aus dem Studio: Eine Dame am Ansagetisch. Sie wird ihn nach dem 1. April an jene acht Abendredakteurinnen erinnern, die bisher abwechselnd mit ihren männlichen Kollegen die tägliche Regionalschau aus dem Lande Nordrhein-Westfalen „life“ kommentierten. In Zukunft sollen für diese Aufgabe nur noch Männer eingesetzt werden.

Schon am 10. Januar erhielten die acht Fernseh-Damen, die als freie Mitarbeiterinnen angestellt waren, von Erasmy einen Brief. Darin teilte er ihnen mit, die Regionalschau werde vom 1. April an in redaktionell veränderter Form ausgestrahlt; ihre Mitarbeit in der bisherigen Form sei dann zu Ende. Gleichzeitig bot er ihnen andere Aufgaben an – als Reporterinnen im Außendienst, bei Interviews und Diskussionen. In der Sendung „Hier und Heute“, die fortan einen stärkeren Nachrichten-Akzent erhalten solle, sei der Mann als straffendes Element wichtig, erläuterte Erasmy.

„Der Brief las sich wie eine Kündigung“, meinte Käthe Beckmann, die alle vierzehn Tage den Nordrhein-Westfalen das Tagesgeschehen vermittelte. „Aber wenn man so lange wie ich beim Rundfunk war, dann ist man gewohnt, daß eine Sendung ‚stirbt‘. Ich war natürlich traurig, aber sauer wurde ich erst später.“

In helle Empörung gerieten Käthe Beckmann und ihre Kolleginnen Annegret Ammer, Anneliese Fleyenschmidt, Ruth Kappelsberger, Renate Neumann, Hilde Stallmach, Gisela Tölle und Christa de Vries am 13. März. An diesem Tage sagte Werner Höfer – Begründer der Regionalschau und Vorgänger von Erasmy, heute freier Mitarbeiter beim WDR und Chef der „Neuen Illustrierten“, was er über Damen in diesem Metier denkt. „Frauen sind für diese Art von Fernseh-Journalismus ungeeignet“, meint er und sprach von „femininen Nervenzusammenbrüchen“ vor der Fernseh-Kamera, „wie sie schlimmer bei keinem Atomangriff vorkommen könnten“. Ihnen fehle das „Nervenkostüm“ für Direktsendungen, sie dächten vor der Kamera zuviel an sich, bei Pannen fehle ihnen der rettende Humor und die Selbstironie, von Interview-Partnern würden sie nicht für voll genommen. Die Damen seien „einfach überfordert“ gewesen.

„Ein Mann wirkt neutraler”