... nicht provinziell zu denken!

Hatte der neue Vorstandvorsitzende der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG), Berlin-Frankfurt, Dr.-Ing. Hans Heyne, die Bekanntgabe des Abschlusses 1961/62 (30. 9.) zum Anlaß genommen, die Öffentlichkeit über den Umbau des Konzerns zu unterrichten (vgl. DIE ZEIT Nummer 9 vom 1. März), so war der erstmals von einer deutschen Aktiengesellschaft zum Ort der Hauptversammlung gewählte große Saal der Berliner Kongreßhalle vielleicht als Symbol für den neuen, weltoffenen Stil zu verstehen, dem sich die AEG künftig verpflichtet fühlt. Dr. Heyne stellte in seinem Überblick über die Lage des Unternehmens die AEG nicht nur in Relation zur deutschen und europäischen, sondern auch zur internationalen Wirtschaftsentwicklung.

Für sein Unternehmen folgerte Dr. Heyne daraus unter anderem, bei den Investitionen vorerst weniger Wert auf erweiterte Kapazitäten als auf Modernisierung und Rationalisierung zu legen. Dabei wandte er sich angesichts des Strukturwandels der Wirtschaft und des wachsenden Gemeinsamen Marktes gegen jede engherzige Auslegung des Begriffs der Konzentration. Als Leiter eines Unternehmens, das aus zahlreichen Wechselbeziehungen zu seinem einzigen Großaktionär, der General Electric Company, gerade in der Nachkriegszeit viele Impulse empfangen hat, konnte er mit dem Recht des Erfahrenen vor den rund tausend Aktionären erklären: „Es scheint uns wirtschaftlich wie wettbewerbspolitisch notwendig, die bestehenden Verhältnisse nicht nur an den viel zu kurzen Maßstäben der deutschen Volkswirtschaft zu messen, weil dies bald provinziell anmuten müßte. Vielmehr hat man auch die Entwicklungsmöglichkeiten des Gemeinsamen Europäischen Marktes und einer sich darüber hinaus immer mehr verflechtenden Weltwirtschaft gebührend in Rechnung zu stellen. Dies zwingt dazu, innerhalb des atlantischen Wirtschaftsraumes zu einer Harmonisierung der Begriffe über Formen, Inhalt und Maße der Konzentration zu gelangen, weil sonst die deutsche Wirtschaft im internationalen Konkurrenzkampf leicht benachteiligt wäre.“ G. G.