Bei der EWG in Brüssel kann man es nicht recht verstehen, warum die Deutschen so großen Wert auf zollfreie Einfuhr von Apfelsinen aus Drittländern legen. In der ablehnenden Antwort auf den von der Bundesregierung vorgelegten Antrag, es bei dem bisherigen Status der Zollfreiheit zu belassen, hieß es klipp und klar: es gäbe ja innerhalb der EWG, neben den italienischen und den („assoziierten“) griechischen Orangen, genügend „austauschbare Erzeugnisse“, wie insbesondere Äpfel, Birnen und Pfirsiche, so daß eine weitere Importerleichterung für Südfrüchte sehr wohl entbehrlich sei. Mit dieser Begründung wurde der von Bonn gestellte Antrag auf einstweilige Aussetzung des Zolls auf Apfelsinen, die aus dritten Ländern kommen, abschlägig beschieden.

Da kann man doch wohl von einem eklatanten Verstoß gegen Geist und Wortlaut des EWG-Vertrages sprechen, dessen sich die Kommission in Brüssel schuldig gemacht hat.

Der deutsche Fachhandel hat jedenfalls „enttäuscht und bestürzt“ feststellen müssen, daß die Regelung für Südfrüchte, Obst und Gemüse sehr viel mehr an Dirigismus und Protektionismus gebracht hat, als nach allen bisherigen Ankündigungen und Verlautbarungen vorherzusehen war oder erwartet werden konnte. Die Benachteiligung aller Drittländer ist erheblich. Betroffen sind davon insbesondere Spanien und Israel, sowie die „Bananenländer“ Ecuador und Kolumbien; betroffen sind aber auch die heimischen Verbraucher, für die sich die gewohnte Importware aus jenen Ländern verteuert hat – wenn auch nur, vorerst, um Pfennigbeträge. Den Vorteil haben, wie schon erwähnt, Italien und Frankreich, samt seiner nordafrikanischen Klientel in den drei Maghreb-Staaten; keinen Nutzen aber konnten bisher Griechenland und die Entwicklungsländer des tropischen Afrika aus der neuen Regelung ziehen.

Die Marktordnung sieht als Radikalmaßnahme die Einfuhrsperre vor, falls sich erhebliche Unterbietungen der von den EWG-Partnern des Mittelmeergebietes geforderten Preise für Obst ergeben. Werden die festgesetzten Referenzpreise – das sind also praktisch Mindestpreise – durch Angebote aus dritten Ländern „etwas“ unterschritten, so können „Ausgleichsabgaben“ erhoben werden: also zusätzliche Zölle oder (was ja auf dasselbe hinausläuft) Abschöpfungsbeiträge. Eine erhebliche Erschwerung des Geschäfts mit den traditionellen Lieferländern außerhalb der EWG bedeutet ferner die verbindliche Festlegung ganz neuer Qualittäsnormen. In der gleichen Richtung einer Erschwerung des Geschäfts mit den traditionellen Lieferanten liegt die Verkürzung der Lieferfristen – bisher galten solche von Wochen und Monaten – auf drei Tage. Begreiflich also, daß der Fachhandel auf diese willkürlichen Änderungen der bisher gültigen Usancen (die das Geschäft zutiefst stören, ja teilweise unmöglich machen) recht bitter reagiert...

E.T.