Das Nachlassen der wirtschaftlichen Auftriebskräfte hat sich auf das größte regionale westdeutsche Kreditinstitut, die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank, München, unterschiedlich ausgewirkt. Auf der einen Seite hat die Hypothekenabteilung nach wie vor im Sog der Hochkonjunktur am Baumarkt 1962 ein Rekordergebnis erzielt. Mit einem Absatz von 359 Mill. DM Schuldverschreibungen wurde das bisherige Rekordjahr 1959 noch um 50 % übertroffen. Dabei hat sich der Anteil der individuellen Sparer am Erstabsatz von 36 % im Vorjahr auf 44 % erhöht. Die Auszahlungen der Hypothekenabteilung haben von 230 auf 310 Mill. DM zugenommen. Dabei macht sich ein Bedarf an langfristigen Geldern zur Konsolidierung kurz- und mittelfristiger Kredite bemerkbar. Der Gesamtbestand des Aktivgeschäftes erhöhte sich mit 2,2 (1,97) Mrd. DM und der des Passivgeschäftes mit 2,4 (2,07) Mrd. DM stärker als im Vorjahr. Nachdem das Darlehensgeschäft zu Beginn des Berichtsjahres auf sechsprozentiger Basis durchgeführt worden war und man Mitte des Jahres mit 5,5 % operierte, zwang die Umkehr in der Zinsentwicklung zu einer schrittweisen Zurücknahme der Auszahlungskurse und zu einer vollen Rückkehr auf den Sechsprozenter. Hoffnungen, daß der Kapitalmarktzins in absehbarer Zeit sinken werde, entbehren nach Meinung des Vorstandssprechers Dr. h.c. Adolf Samstag jeder realen Grundlage. Naturgemäß ließ diese Entwicklung die Hypothekenabteilung mehr zum Wachstum des Institutes beitragen als die Bankenabteilung.

Das reine Bankgeschäft, das im Vorjahr die größte Ausdehnung der Nachkriegszeit verzeichnet hatte, verlief etwas ruhiger. Namentlich das Effektengeschäft wurde von der ungünstigen Entwicklung der Aktienmärkte gezeichnet. Samstag wies auf den Umstand hin, daß das Berichtsjahr nicht von kreditpolitischen Maßnahmen der Zentralbank beeinflußt wurde, die wirtschaftlichen Daten also ohne Korrekturen zum Ausdruck kamen. Unter Berücksichtigung, daß die Abschwächung der güterwirtschaftlichen und monetären Expansion auch auf das Kreditgewerbe durchschlug, wollte er das Berichtsjahr – abgesehen vom Börsengeschäft – als ein Normaljahr gewertet wissen. Man tue gut daran, sich auf diese neuen Verhältnisse einzustellen. Das Spargeschäft hat die Erwartungen bei weitem übertroffen. So wuchsen Spareinlagen um 40 % stärker als im Vorjahr um 181 (128) Mill. DM auf 1,25 Mrd. DM, dagegen ließ der Zufluß an Sicht- und Termineinlagen nach. Samstag nahm diese Entwicklung zum Anlaß, um abermals die steuerliche Gleichstellung des Spargeschäftes der privaten Banken mit dem der Sparkassen zu fordern. Er erinnerte an die Reformbedürftigkeit der Bestimmungen über die Mündelsicherheit, die Gewährträgerhaftung und die Anlegung öffentlicher Gelder.

Zu der Ausweitung der Bilanzsumme um 11 (13,7) % auf 6,1 (5,5) Mrd. DM haben in erster Linie die um 280 (405) Mill. DM auf fast 3 (2,7) Mrd. DM gestiegenen Gesamteinlagen der Bankabteilung sowie der um 332 (211) Mill. DM auf 2,18 (1,85) Mrd. DM erhöhte Schuldverschreibungsumlauf beigetragen. Die ungünstige Entwicklung der Aktienmärkte minderte die börsengängigen Dividendenwerte um fast 30 auf 155 Mill. DM nachdem diese Position im Vorjahr noch um 53 Mill. DM gestiegen war. Immerhin übersteigt die stille Kursreserve, wie eingeräumt wurde, noch das Grundkapital von 100 Mill. DM.

Die Ertragsentwicklung wurde, obwohl Ertragssteuern noch um 2,7 auf 29,3 Mill. DM zunahmen, als „nicht mehr ganz so gut“ wie im Vorjahr bezeichnet. Nach ungeschmälerter Rücklagenzuweisung von 5,3 Mill. DM werden der Hauptversammlung am 9.4. abermals 16 % Dividende und 2 (3) % Bonus vorgeschlagen. Mit dem Satz von 18 % liegt das gemischte Institut unter den großen Banken in der Spitzengruppe. Dagegen hält man eine Erhöhung des seit 1960 unveränderten Kapitals derzeit nicht erforderlich, zumal die Börsenlage dafür nicht opportun sei. In der Zwischenzeit ist allerdings das Bilanzvolumen um 1,3 Mrd. DM gestiegen. Dazu meint die Verwaltung, daß im deutschen Kreditgewerbe das Eigenkapital der reinen Hypothekenbanken im Schnitt derzeit 3,5 % der Bilanzsumme beträgt. Für das Eigenkapital der Bankabteilung bleiben bei Zugrundelegung dieses Satzes für die Hypothekenabteilung 4,95 % der Bilanzsumme, während als normal 5 % gelten. t. r.