Washington, im März

Nach dem Essen raucht er gern eine schmale Zigarre. Während er lächelt, seine Gesprächspartner aufmerksam mustert und möglichst wenig spricht, zerkaut er das Mundstück dieser Zigarre zu einem Pinsel. Wohlgefällig betrachtet er dieses Werk, das auf große Routine schließen läßt, wenn der Kaffee serviert wird, und er sich wiederum höflich, sehr allgemein und sehr undramatisch äußert.

Auch in der politischen Laufbahn des Einundfünfzigjährigen George McGhee gibt es kaum dramatische, weithin Aufsehen erregende Stationen. Der Mann, der im August oder September an Stelle des erkrankten Walter C. Dowling die Bonner US-Botschaft übernehmen soll, umgibt nicht die Aura des Ideenreichtums eines Chester Bowles, nicht der schriftstellerische und rednerische Glanz eines George Kennan, nicht der Spezialistenruf des Kreml-Experten Lewellyn Thompson. Er hat auch nichts von der forensischen Streitbarkeit Dean Achesons an sich. Dennoch gehört George McGhee zur kleinen Oberschicht der amerikanischen Diplomatie.

Am ähnlichsten ist er seinem Freunde Dean Rusk, dem gegenwärtigen Außenminister. Wie Rusk, ist auch er ein Philosoph mit ausgeprägtem Sinn und geheimer Leidenschaft fürs Politische; ein nachdenklicher Mann von großer innerer Ruhe und anscheinend auch Heiterkeit; ein mit Befriedigung und guter Laune in seinem Beruf engagierter Beamter des Auswärtigen Dienstes.

Von Haus aus ist der Unterstaatssekretär McGhee Geologe und Physiker; seine Millionen hat er sich im Texas-Ölgeschäft selber verdient. Er begann als Wissenschaftler, gründete eine eigene Firma, die McGhee Production Company, und ging wie so mancher amerikanische Politiker als unabhängiger, gemachter Mann in die Diplomatie. Staatsdienst auf Zeit, als freiwillige Leistung für „this country“, für das Vaterland – in den Vereinigten Staaten ist das noch ein guter, angesehener Brauch.

Es war Krieg, als er in den diplomatischen Dienst eintrat: 1941. Er arbeitete im leitenden Stab für die Produktionslenkung. Zwei Jahre tat er danach im Pazifik als Marineleutnant Militärdienst. 1946 wurde McGhee Ministerialdirektor der asiatisch-afrikanischen Abteilung im State Department. Später leitete er das amerikanische Hilfsprogramm für Griechenland und die Türkei; 1951 schickte Präsident Truman ihn als Botschafter nach Ankara (wo der Diplomat Schlagzeilen machte, als er erneut den Bosporus durchschwamm).

In der Ära Eisenhower wurde unterbrochen, was George McGhee sicherlich nie als eine „Karriere“ betrachtet hat. Schon 1958 indessen wurde McGhee wieder nach Washington geholt, diesmal als Berater des Nationalen Sicherheitsrates. Gleichzeitig gehörte er einem Beratungsausschuß des Weißen Hauses für die militärische Auslandshilfe an.