Th. K., Washington, im März Washington ist noch immer über das deutschfranzösische Sonderbündnis besorgt, wie Heinrich von Brentano letzte Woche bei seinen Gesprächen in der amerikanischen Hauptstadt erneut feststellen konnte. Der ehemalige Bundesaußenminister versicherte seinen Gesprächspartnern, daß die Bundesregierung alles tun werde, um der NATO-feindlichen Haltung Präsident de Gaulles entgegenzuwirken. Die Kennedy-Regierung wünscht genau dies. Brentano interpretierte den Elysée- Vertrag als das geeignete Mittel, Paris im Sinne Washingtons zu beeinflussen: de Gaulle werde schon deshalb auf Bonn hören müssen, um sich nicht auch noch von der Bundesrepublik zu isolieren.

Der Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion wurde von Kennedy, Rusk, McNamara ‚ anderen hohen Beamten und Kongreßmitgliedern freundschaftlich empfangen. Er nutzte seine Verbindungen und sein Ansehen, um die absolute Bündnistreue der Bundesrepublik zu bekräftigen. Er sprach sich für die amerikanische Konzeption einer multilateralen Atomstreitmacht aus. Gegen ein amerikanisches Veto-Recht in der obersten Kontrollinstanz dieser Streitmacht hat Brentano keine Bedenken; wichtige NATO-Entscheidungen müßten ohnehin immer einstimmig getroffen werden. Der CDU-Politiker brachte auch das deutsche Einverständnis mit den neuen amerikanisch-sowjetischen Sondierungsgesprächen über Berlin zum Ausdruck. Die UN-Flagge kann nach seiner Meinung in Berlin nur zusätzlich gehißt werden; die Flaggen der drei Westmächte kann sie nicht ersetzen.