Bei den zehnten Deutschen Hallenmeisterschaften der Leichtathleten in Berlin fehlte auch die übliche „besondere“ Ehrung nicht. Im Auftrag des Bundespräsidenten überreichte Willi Daume dem Sportclub Charlottenburg das Silberne Lorbeerblatt.

Zählt man die Deutschen Meisterschaften zusammen, so liegt dieser Verein, der seit über sechzig Jahren besteht, an der Spitze aller deutschen Klubs. Auch diesmal leuchtete wieder das berühmte „Schwarze C“ siegreich im Ziel auf, als Kubicki überlegen den 3000-m-Lauf gewann.

Der Sportclub Charlottenburg hat schon vor über einem halben Jahrhundert einen Buchstaben, eine Abkürzung also, an die Stelle des Vereinswappens gesetzt. Andere Berliner Vereine, der Deutsche und der Berliner Sportclub, hatten der Tradition gemäß ein Wappentier, den Adler; die einen in dunkelrot auf stahlblauem, die anderen in gelb auf schwarzem Dreß gewählt. Zwei weitere in den zwanziger Jahren recht erfolgreiche Berliner Klubs, „Teutonia“ und „Zehlendorf“, trugen ein mächtiges T beziehungsweise ein riesiges Z auf ihren Trikots. Aber diese Einzelbuchstaben, die auch kalligraphisch wirkten, waren weniger Abkürzung oder Bezeichnung, sondern eher Zeichen und Symbol und damit doch noch ein Emblem.

Das „schwarze C“ war außerdem schon so etwas wie eine sportliche Gütemarke. Von ihm bis zum Warenzeichen, das heute die Sportler von Bayer, Leverkusen, siegreich durchs Ziel tragen, ist aber ein weiter Weg.

Auf einem Sportplatz an der Cicerostraße, nicht weit vom Kurfürstendamm entfernt, begann die über sechzigjährige Geschichte des „SCC“. Später mußte man dem städtischen Bebauungsplan weichen, man zog in die Nähe des Funkturms. Hier fand 1926 der legendäre Lauf Nurmi-Peltzer-Wide vor überfüllten Rängen statt, wobei als Starter im weißen Kittel Richard Rau fungierte. Diese Veranstaltung war nur eines der großen Sportfeste, die nun die Charlottenburger in schöner Regelmäßigkeit organisierten. Die Ursprünge gehen bis zum Treptower Park zurück.

Vor und nach dem Ersten Weltkrieg erstrahlte der Stern Richard Raus, eines der Großen des deutschen Sports. Von 1909 bis 1920 gewann er nicht weniger als 12 Deutsche Einzelmeisterschaften, 11 davon im Sprint und eine im 110-m-Hürdenlauf. Damit liegt der Charlottenburger, der dem letzten Krieg zum Opfer fiel, heute noch in der „ewigen“ Rangliste der deutschen Sprinter vor Manfred Germar, der elfmal in den Kurzstrecken Deutscher Meister wurde.

Schnelle Leute, die Sprinter, waren immer die Glanzpunkte des Sportclubs Charlottenburg. 1927 kam der Schlesier Helmut Körnig als Jurastudent nach Berlin. Siebenmal zeichnete er sich in die deutsche Meisterschaftsliste ein, davon fünfmal für den SCC. Der heute so soignierte, erfolgreiche Direktor der Westfalenhalle A. G. war damals ein echter Star der „golden twenties“. Er trug eine Zeitlang beim Rennen nicht nur ein Menjoubärtchen, sondern auch ein goldenes Kettchen, das ihm, so flüsterte die Galerie, eine bekannte Filmdiva verehrt haben sollte.