Notruf: „Psalm 50 15“ – Soll die Kirche Reklame machen?

Von Willi Bongard

Im September 1962 ist in Anwesenheit von Theologen mehrerer deutscher Landeskirchen der „Evangelische Werbung Vocamus e. V.“ gegründet worden. Diese Vereinigung will mit den Mitteln moderner Werbung der christlichen Verkündigung den Weg bahnen helfen. Die Arbeit wird von einem Werberat getan, dem Theologen und Werbefachleute angehören. Die „Evangelische Werbung Vocamus“ stellt jetzt ihr Projekt zur Diskussion. Unser Beitrag stützt sich auf eine Werbekonzeption, die diese Gesellschaft ausgearbeitet hat.

Die Werbung ist ein zeitgemäßes Kommunikationsmittel. Sie sollte von der Kirche in Dienst genommen werden.“

Der erste Satz ist eine nüchterne Feststellung, an der es nichts zu deuteln gibt; der zweite läßt aufhorchen, macht stutzig und dürfte auf Widerstand, wenn nicht auf Ablehnung stoßen. Beide Sätze sind Bestandteile eines kühnen Programms, das sich einige evangelische Kirchen vorgenommen haben. Sie sind den „Richtlinien“ einer Arbeitstagung der Evangelischen Akademie entnommen, die im Herbst vergangenen Jahres in Tutzing dem Thema „Kirche und Werbung“ gewidmet war.

Die Werbefachleute, die sich seit Jahren mit dem Vorwurf „geheimer Verführungskünste“ plagen und deren Metier immer wieder – nicht zuletzt von den Kirchen – angegriffen worden ist, können einen Erfolg für sich buchen. Sie haben unerwartet Schützenhilfe bekommen und könnten sich für rehabilitiert halten.

„Die in der Werbewirtschaft durch einen großen Aufwand an Arbeitskraft und Geld gewonnenen allgemeingültigen Erkenntnisse bieten sich als wesentliche Hilfe an“, hieß es in Tutzing. Und weiter: „Das gilt auch für die in der Werbung gebräuchlichen Hilfsmittel wie Meinungsforschung und Verhaltensforschung, die ebenso dazu beitragen können, dem Verkünder ein zutreffendes Bild von der Situation des Menschen in der heutigen Gesellschaft zu geben.“