„Beschreibung eines Kampfes“ (Frankreich/Israel; Verleih: Tannen): Seit Jahren ist der französische Essayist und militante Linkskatholik Chris Marker um die geistige Erneuerung des Dokumentarfilms bemüht. So hat er bevorzugt jene Schauplätze aufgesucht, wo Konventionen zerbrechen, wo neue Hoffnungen oder Gefahren sich abzeichnen: China, Sibirien, Israel, Kuba und zuletzt das Frankreich der V. Republik. Israel vor allem kam den Intentionen Markers ideal entgegen. Das Wort Kampf nämlich meint die Vielzahl jener Auseinandersetzungen, in denen dieser junge Staat begriffen ist. Markers Methode der Beschreibung dieses Kampfes ist in allem das Gegenteil jener hurrapositivistischen Betrachtungsweise, die uns seinerzeit Herbert Victor mit „Paradies und Feuerofen“ antrug. Eben weil Marker mit Liebe auf das Experiment Israel schaut, weist er auch auf die Engpässe hin: Technischer Fortschritt und Orthodoxie; Kibuzzim und kapitalistisches Staatsgefüge; das Minderheitenproblem der Araber. Die Klugheit und Noblesse des Films sind vor allem in seinem literarischen Kommentar begründet. Ihm dient das Bild. Das Bild ist nicht länger Endprodukt einer Erkenntnis, sondern Motor eines Gedankens. Der Dokumentarfilm von morgen wird von Marker lernen müssen.

„Sonntage mit Sybill“ (Frankreich; Verleih: Columbia): Während des Indochinakrieges verlor der Jagdflieger Pierre sein Gedächtnis. Nur noch die Erinnerung an das angstverzerrte Gesicht eines Mädchens, das er im Sturzflug erschoß, quält sein Unterbewußtsein. Weder Ärzte noch seine Freundin Madeleine vermögen ihm zu helfen. Erst die Begegnung mit einem zwölf jährigen Mädchen, das im trostlosen Internat der Kleinstadt Ville d’Avray leben muß, bringt Linderung für Pierre. Fern der rauhen Realität bauen sich das etwas altkluge Kind und der etwas infantile Erwachsene ihre Traumwelt auf. Einsame Sonntage am See oder im Wald sind das Unterpfand ihrer Weltflucht. Der Heilige Abend soll ihre heimliche Freundschaft besiegeln. Pierre schenkt dem Kind den Hahn vom Kirchturm. Das Mädchen nennt seinen wahren Namen: Cybele. Doch die bösen Erwachsenen bereiten diesem Idyll ein arges Ende. Die Polizei erschießt Pierre in der Annahme, er wolle das Mädchen töten. Während das Miserere aufklingt, klagt das Kind: Ich habe keinen Namen mehr! Spielfilmdebütant Serge Bourguignon hat seine dubiose Fabel nach allen Regeln des poetischen Irrealismus inszeniert. Die rauschhaftromantische Bildsprache des ingeniösen Kameramannes Decae macht fast vergessen, wie penetrant hier das reine Reich der Phantasie gegen die Wirklichkeit ausgespielt wird. rpk