Ungestört, hinter verschlossenen Türen – so wollte die CDU/CSU über die Nachfolge des Bundeskanzlers beraten. Es blieb ein frommer Wunsch. Nicht einmal der geschäftsführende CDU-Vorsitzende Dufhues hielt sich an die von ihm selbst ausgegebene Order. Noch weniger vermochte er zu verhindern, daß in Bonn die Gerüchte wie Pilze aus der Erde schossen.

Erhard werde Hallstein in Brüssel ablösen, so lautete ein Gerücht. Das Dementi ließ nicht auf sich warten. Spekulation, frei aus der Luft gegriffen. Ein Kabinettsrat solle einem Kanzler Erhard beigeordnet werden, ein Kreis von Ratgebern, die den Wirtschaftsminister für die große Politik präparieren. Auch hier kam prompt das Dementi. Falls Erhard Kanzler werde, müsse er sich von einigen seiner alten Berater trennen; seine Amtszeit werde befristet sein – Gerüchte, Gerüchte! All diese Spekulationen verdienten keine Beachtung, wenn sie nicht eines gemeinsam hätten: Sie sind trefflich geeignet, Ludwig Erhard als Nachfolger Adenauers abzuwerten. Und es fällt schwer zu glauben, daß diese seltsame Übereinstimmung reiner Zufall sein sollte.

Wie sehr Erhards Position geschwächt ist, zeigt auch das Ergebnis der letzten Meinungsumfrage über die Kanzlerkandidaten. Zwar hält der Bundeswirtschaftsminister in der Popularität immer noch die Spitze, aber Prozent um Prozent bröckelt ab: 41 waren es im letzten Dezember, 39 im Februar, 38 im März. Dagegen steigt die Kurve von Außenminister Schröder steil nach oben: 18 Prozent wurden noch im Februar registriert, im März schon 24.

Zwischen diesen beiden werden sich die Kanzlersucher Dufhues und Brentano – denen sich im Auftrag der CSU jetzt auch noch Franz Josef Strauß zugesellt hat – am Ende entscheiden müssen. Krone, den Adenauer am liebsten als seinen Nachfolger sähe, will nicht und würde auch kaum eine Mehrheit der Fraktionsstimmen erhalten. Die Chancen des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kiesinger, dessen Kandidatur der Bundespräsident mit Sympathie aufnehmen würde, stehen nicht besser. Und Brentano, hätte nicht unter die Sucher gehen dürfen, wenn er hätte gefunden werden wollen – er will also auch nicht.

So geht es denn weniger um das Finden als um das Sich-Abfinden. Konkret: Findet sich der Kanzler mit Erhard ab? Und täte er es, wäre Erhard dann bereit, sich mit der Rolle abzufinden, die ihm bliebe, solange Adenauer Parteivorsitzender wäre?

Da er es bleibt, möchte Schröder vorläufig weder gesucht noch gefunden werden. Düstere Aussichten also: Der eine Kandidat will nicht, der andere soll nicht. D. Z.