Neulich erst ist Umgelter mit seiner stilistischzerfahrenen Camus-Realisierung gescheitert. Zwei Wochen später nun führt er mit Dantons Tod vor, daß er auf seinem eigentlichen Felde, dem der filmischen Zubereitung von vergleichsweise realistischem . Literaturgeschehen nämlich, ein Routinier von artistischem Raffinement ist.

Er ist scheinbar unbekümmert um den winzigen Bildausschnitt der Röhre: Auf einer Bühne von 50 Zentimetern läßt er Massenszenen vor sich gehen. Aber der Verstoß gegen die telegene Dramaturgie zahlt sich aus: Im Wechsel von Totale und Porträt-Detail, im unbekümmerten Gebrauch bewährter Überblendungstricks stellt er noch im Minimalformat ein zureichend bewegendes Abbild vom Feuer der Revolution her, und nur eins gelingt ihm nicht: die zwischen Müdigkeit, Lebensgier und Untergangssehnsucht schwankende Gebrochenheit des Helden, die Büchners Danton neben Schillers Wallenstein stellt, zur Achse des Stückes zu machen. Das aber ist in großem Maße eine Sache der Besetzung, die mit Wolf gang Reichmann, Wolf gang Büttner und Wolf gang Kieling nicht durchweg glücklich ist.

Mißbehagen ein paar Tage später bei Tadeusz Rózewiczs Satire Die Laokoon-Gruppe. Der junge Pole, dessen „Kartothek“ auf so geistvollhintergründige Weise die Zeit attackiert, will hier das Kunstmanagerunwesen entlarven. Die Sache wird ihm aber unter der Hand zu einer Bloßstellung der modernen Kunst und nicht der Kunstkritiker, weshalb das Stück denn wie jene Meldungen von malenden Affen wirkt, die Museumsdirektoren getäuscht haben: Es löst dieselbe Freude aus. Ein sonderbarer Import aus einem Lande, in dem doch eigentlich nicht ungegenständliches Konjunktur-Rittertum Sorge der Kunstwelt ist.

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