Die nukleare Rüstung im israelisch-arabischen Raum ist von entscheidender Bedeutung für die Existenz des Volkes. Dennoch hat die Regierung davon abgesehen, dieses Problem vor die Knesseth und die Parteien zu bringen. Im Laufe sechs Jahren, in denen man sich bei uns mit der Schaffung der Voraussetzungen für die Herstellung nuklearen Sprengstoffs beschäftigt, wurde das Thema weder zur Beratung noch zur Beschlußfassung im Außen- und Sicherheitsausschuß vorgebracht.

Es existiert keine kompetente wissenschaftliche und technologische Kontrolle. Die Atomenergie-Kommission, die seinerzeit von der Regierung eingesetzt wurde, zählte sieben Mitglieder. Sechs von ihnen haben demissioniert. Es wurde in Israel nicht mit der Errichtung eines Atomreaktors zur Stromerzeugung oder als Energiequelle für Friedenszwecke begonnen. Die Anstrengung gilt hauptsächlich einer Vorbereitung der Produktion von Spaltmaterial zu kriegerischen Zwecken.

Da der militärisch-nukleare Reaktor der parlamentarischen Kontrolle nicht untersteht, können die aufgewendeten Summen nur schätzungsweise genannt werden. Bisher haben wir anscheinend dreihundert Millionen israelische Pfunde (450 Millionen Mark) ausgegeben.

Nach vorsichtiger Schätzung wird das Unternehmen bis zu seiner Vollendung – wenn es jemals vollendet wird – mindestens 1,2 Milliarden Mark kosten.

Die Behörden in Washington sind im Detail über den israelischen Reaktor informiert, decken die Karten aber offiziell nicht auf, um nicht zu einer sofortigen Stellungnahme gezwungen zu werden. Bei der Aushandlung gegenseitiger Zugeständnisse mit Rußland wird Washington den israelischen Reaktor opfern, sobald es die Umstände für günstig erachtet. Diese Vorgänge können für Israel deprimierend und demütigend sein. Die Franzosen, die dem israelischen Reaktor Hilfe leisteten, halten sich zurück. Es ist nicht anzunehmen, daß Deutschland unsere nukleare Bewaffnung unterstützen wird (obwohl sich manche ihren Beistand „in trüben Zeiten“ vorgaukeln). Der internationalen Empörung werden wir isoliert gegenüberstehen,

Wenn unsere Vorbereitungen zur nuklearen Bewaffnung weiter andauern, würde der ägyptische Rivale eventuell von den Großmächten die Einwilligung zum Ankauf nuklearer Ausrüstung fordern, als „Ausgleich“ (eine alte israelische Parate, wenn wir auf diesem Gebiet effektiv noch gar nichts Wirkliches in Händen haben.

Die Befürworter des Reaktors behaupten, daß die Nuklearwaffe als Kampfmittel oder Abschreckungsmedium dienen könnte und daß wir hierin dem voraussichtlichen Feind zuvorkommen müßten. Die Wahrheit ist, daß wir – auch wenn wir in den nächsten Jahren Atomwaffen besitzten würden – diese in Wirklichkeit nicht benutzen könnten, weder als Abschreckungs- noch als Kampfmittel. Es wird uns nicht einfallen, als Reaktion auf Infiltrationen, Fedajun-Untaten oder sogar auf eine militärische Aktion mit konventioenllen Waffen mit der Atomwaffe zu drohen. Das wäre ein politischer Wahnsinn. Der voraussichtliche Feind weiß das. Die nukleare Vorbereitung Israels besitzt kein abschreckendes Gewicht.