Das Jahr 1961 war für den Realkredit ein ausgezeichnetes, 1962 ein immer noch gutes Jahr, meinte der Präsident der Deutschen Pfandbriefanstalt, Dr. Lubowski, anläßlich der Vorlage des Geschäftsberichtes 1962. Betrachtet man die Zahlen des Institutes, dann zeigen sie in nahezu allen wichtigen Positionen eine Erhöhung, die zu einem guten Teil größer ist als die des Vorjahres. Dennoch flacht sich die Expansionskurve allmählich ab. Die Konjunktursituation wird sich damit im Baubereich allmählich normalisieren. Die Bautätigkeit selbst wird allerdings vorläufig bei dem aus dem Vorjahr vorhandenen enormen Überhang von 780 000 Wohnungen zunächst weiterhin auf vollen Touren laufen.

In diesem Zusammenhang wies Dr. Lubowski darauf hin, daß der Wohnungsbau keineswegs der Hauptmotor des Baubooms ist. Auf der Preisbasis von 1954 gerechnet, zeigt sich im Berichtsjahr 1962 vielmehr ein relativer Rückgang des Wohnungsbauanteils am Bauvolumen von 42,9 % auf 41,1 %. 1953 und 1954hatte der entsprechende Anteil noch rund 50 % betragen. Das, was der Wohnungsbau verloren hat, gewannen der öffentliche Hochbau und die Verkehrsbauten. Man hört nun aus den Kreisen des Baugewerbes immer wieder, es bestünden zwischen Tief- und Hochbau keine Beziehung. Dr. Lubowski bezweifelt dies; wahrscheinlich mit Recht. Vor allem kritisiert er den Versuch, am Wohnungsbau Konjunkturbremsen anzulegen. Man tue dies nur aus Verlegenheit, weil man sich an den öffentlichen Bereich nicht heranwage. Die politischen Instanzen entschuldigen sich mit dem Hinweis, es sei unmöglich, in unserem förderal-politischen System die Gebietskörperschaften unter einen Hut zu bringen. Das nimmt ihnen Dr. Lubowski nicht ab. Auf Bund, Länder und Großstädte, also auf einen beschränkten Kreis, fallen 75 % desBauvolumens der öffentlichen Hand. Ihn muß man auf ein gemeinsames Ziel ausrichten können, wenn die Vernunft es erfordere, meinte Dr. Lubowski. Jedenfalls erscheine ihm eine Einschränkung der Bautätigkeit der öffentlichen Hand um 10 % erreichbar.

Dr. Lubowski ist weiterhin der Meinung, man habe in politischen Kreisen immer noch die Vorstellung, der Bauboom ließe sich dadurch mindern, daß man bei den Realkreditinstituten Emissionsgenehmigungen einführe. Eine solche Maßnahme würde nicht viel nützen, zumal der Anteil der Realkreditinstitute an der gesamten Wohnungsbaufinanzierung keineswegs entscheidend sei. Die absoluten Zahlen sind zwar mit 20 Mrd. DM für die zurückliegenden zwölf Jahre imponierend; sie machten letzten Endes aber nur 13 % vom gesamten Investitionsaufwand aus. Zuversichtlich war Dr. Lubowski für den Rentenmarkt. Dieser weist – nach Angaben der Pfandbriefanstalt – eine natürliche innere Kräftigung auf. Die beachtliche Absatzsteigerung von über 2 Mrd. DM auf fast 12 Mrd. DM sei jedenfalls ein bemerkenswertes Indiz für den Sparwillen der Bevölkerung. Alle Emittenten seien mit ihren Anleihewünschen zum Zuge gekommen, so auch die öffentliche Hand und die Industrie. Diese beiden Gruppen profitierten sogar in erster Linie an den Mehrleistungen. Die Daueremittenten konnten nur eine bescheidene Erhöhung ihrer Absatzzahlen erreichen. Jedenfalls vermöge die Industrie, so meinte Dr. Lubowski, sofern sie nur bereit sei, gleich hohe Zinsen wie die übrigen Emittenten zu zahlen, ihren Bedarf am Rentenmarkt zu decken.

Die ruhige Zinsentwicklung der letzten Jahre habe sich trotz des relativ hohen Niveaus als günstig erwiesen. Der Sparer wolle eine angemessene Rente haben. Man sollte es vorerst bei dem sechsprozentigen Typ belassen und jedes Experiment vermeiden. Erst wenn der Sechsprozentige gefestigt sei, d. h., wenn er klar und eindeutig bei pari stände, sei der Zeitpunkt gekommen, auf einen niedrigen Zins überzugehen.

Auf den Hausbesitzbrief angesprochen, erklärte Dr. Lubowski, daß dieses Projekt zunächst zurückgestellt, aber keineswegs aufgegeben sei, Bonner Stellen hätten Bedenken geäußert, mit diesem Papier während der Diskussion um den § 7 b EStG herauszukommen. Diese hat zwar inzwischen ihr Ende gefunden, dennoch zeigt man in Wiesbaden keine rechte Neigung, das Experiment zu wagen. Offenbar möchte man warten, bis die Neuordnung der Abschreibungen auf Häuser geregelt ist. Im übrigen ist Dr. Lubowski nach wie vor der Auffassung, daß ein solches Papier dem Gedanken der breiten Streuung des Eigentums diene, zumal es dem einzelnen, auch wenn er nur über kleine Vermögen verfügt, erlaube, sich am Haus- und Grundstückseigentum zu beteiligen.

W. R.