Glanz und Elend des Wortes: blödelnd entlarvt – Extravagant oder; Der außerordentliche Landstreicher – Musikalische sowie philologische Kunststücke

Von Hans Weigel

Das Blödeln ist eine Geisteshaltung, eine Weltanschauung, ist angewandte Satire. Man blödelt, indem man eine Methode, einen Jargon persifliert, man blödelt, indem man so tut als ob. Blödelnd wurde einmal ein ganzes philosophisches System, das metatheoretische System entwickelt, das auf der Lehre von der Werthäufigkeit basiert.

Man kann blödelnd alle Großen dieser Erde, welche keine wirklich Großen sind, also sehr viele, vernichten, man kann blödelnd Glanz und Elend des Wortes, Sinn und Unsinn der Phrase, des Gemeinplatzes, entlarven. Man kann blödelnd die Zeit aufheben, große, auch gespenstische Erkenntnisse auslösen. Man kann die Stadt durchstreifen und Firmenschilder nach kunsthistorischen Gesichtspunkten werten, man kann jede Tapete, jedes kommune Tischtuch als abstrakte Komposition analysieren, man kann dabei die Fachsprache der Kunsthistoriker wie die Scheußlichkeiten des neuzeitlichen Kunsthandwerks ad absurdum führen, man kann über Fußball reden wie über Literatur und über Literatur wie über Fußball und kann dabei die geschraubten Sportjournalisten wie die snobistischen verstiegenen Kritiker abwerten, man kann Speisekarten psychoanalysieren und an Oberkellner die Maßstäbe anlegen, die man an Dirigenten anlegt, und kann dadurch die Oberkellnerhaftigkeit der Dirigenten bloßlegen und die Schmackhaftigkeit der Psychoanalyse, man kann... man kann ...

... mein Gott, was kann man nicht alles, wenn man sich dem Blödeln verschrieben hat!

Man kann seine Traurigkeit in Scherzhaftigkeit auflösen, man kann seinem Geist beschwingte Gegenwärtigkeit verleihen, man kann aus der Sprache heraus Philosophie, Logik, Psychologie und beinahe auch Theologie betreiben, man kann alles, wenn man dem nichteingetragenen Verein der Blödler zugehört; nur eines kann man nicht: den Nichtmitgliedern des Vereins begreiflich machen, worin Blödeln besteht.

Enharmonische Spielereien