HANNOVER (Kunstverein):

„124. Frühjahrsausstellung“

Eine Art Frühjahrsmesse der deutschen Kunst, nicht nur weil hier viel verkauft wird. Hannover ist alljährlich das erste Treffen der Maler und Bildhauer auf Bundesebene. Die Hannoveraner und die Berliner sind zahlenmäßig am stärksten, die einen als Gastgeber, die andern als bevorzugte Gäste. Eine lebendige, abwechslungsreiche Schau mit erheblichen Niveauunterschieden. Noch interessanter war’s, wenn hier alle Künstler wirklich mit Arbeiten aus dem letzten Jahr vertreten wären, zumal die prominenten Künstler, die regelmäßig dabei sind. Wenn Hannover als künstlerisches Barometer fungieren will, dann keinen Sonderborg oder Bargheer von 1958 ausstellen! Neu und eindrucksvoll sind die Arbeiten von Nay, Trökes, Kluth, Grieshaber, Jaenisch, Wessel. Erfreulich, daß auch ein paar neue Namen auftauchen, Peter Berndt aus Berlin, Hans Karl aus Hannover. – Der bedenklichste Punkt der Ausstellung: die ausländischen Gäste! Soll die Ausstellung dadurch attraktiver werden, daß man je eine Farblithographie von Miró und Poliakoff, je ein Gemälde von Hans Hartung, von William Scott, von Hundertwasser, von Afro, Music, Alechinsky unter die Bilder der deutschen Maler mischt? Die Auswahl ist offenbar nur durch den Zufall bedingt, was deutsche Galerien gerade an internationaler Prominenz vorrätig haben. Die beiden Künstler, die in Hannover einigermaßen zur Wirkung kommen, sind Karel Appel und Giacometti. Jeder von ihnen kann wenigstens zwei Werke zeigen. Wenn man ausländische Gäste nach Hannover holt, sollte man sie ihrem Rang entsprechend präsentieren. – Die Ausstellung dauert bis zum 14. April.

ESSEN (Museum Folkwang):

„Kluth“

Die letzte große Ausstellung von Karl Kluth liegt sieben Jahre zurück. Seitdem waren nur einzelne Bilder, vor allem im Künstlerbund und in Hannover, und neue Zeichnungen zu sehen. Das Museum Folkwang zeigt – bis Ende März – frühe Bilder, aus den Jahren 1921 bis 1935, und die nach 1955 entstandenen Bilder. Von seinem Frühwerk her wird Kluth häufig als der Maler des deutschen Nachexpressionismus bezeichnet. Aber seine Malerei – der späten und der frühen Jahre – ist viel zu elementar für den Begriff eines „Nach“-Expressionismus. Andererseits fehlt ihr von Anfang an – schon in den fünf Bildern von 1921 – das emotionale Moment, das der expressionistischen Malerei eigentümlich ist. Kluth holt die ungestüme Dramatik seiner Bilder nicht aus ekstatischem Erleben, sondern aus der formalen und farbigen Spannung. Er ist in seinen späten Landschaften und Figurenbildern, den bewegten Akten, nicht „abstrakter“ geworden. Auch in den frühen Bildern hat der Gegenstand nur die Funktion, malerische Energien freizusetzen. Sein Werk lebt aus einem dramatischen Weltaspekt, aus dem Gegensatz von festen und bewegten Formen, von Raum und Fläche, von hellen und dunklen Farben, bis zum krassen Schwarz und Weiß. Eine rücksichtslose, eher barbarische als „kultivierte“ Malerei, das Gegenteil von „monochrom“, vielfarbig, ein volles Orchester, so eruptiv wie die „Vitalisten“, aber ohne deren Zügellosigkeit, weil der Gegenstand, auch wenn er im einzelnen nicht mehr nachzuweisen ist, den frei strömenden Kräften die Richtung weist und ihr Terrain eingrenzt. Die 24 mitausgestellten Zeichnungen haben das gleiche Niveau wie die Bilder.

BERLIN (Akademie der Künste):