Funk

HESSISCHER RUNDFUNK

Donnerstag, 21. März, das Feature:

Alexander Kluge erklärte im Vorwort zu seiner Sendung vorsorglich, er wolle mit zwei „Beispielen aus dem beschädigten Leben“ erreichen, daß sich der Hörer zur Sympathie für seine beiden negativen Helden aufraffe.

Da wird erzählt, wie es ein gewisser Peickert bis zum Hauptfeldwebel in Hitlers Wehrmacht bringt. Im Bemühen, sich von Abhängigkeiten freizukämpfen – soziologisch verbrämt heißt das „emanzipieren“ –, unternimmt er die waghalsigsten Schiebungen und schafft sich Besitzungen und Warendepots in ganz Europa. Einer treibstofflosen Panzertruppe verhilft er mit seinen geheimen Benzinlagern sogar zum Gewinnen einer Schlacht. Daraufhin bereits fürs Ritterkreuz vorgeschlagen, wird er jedoch wegen Zuhälterei füsiliert. – Fall zwei handelt von Bettine G. aus Oberhessen, die in Frankfurt am Main nach Rosemaries Methode schnell zu viel Geld kommen will. Trotz eifriger Bemühungen, ihren „Beruf“ in „gehobener“ Weise auszuüben, kommt sie um die gesamten Ersparnisse und außerdem zweimal ins Gefängnis.

Peickerts Schicksal wird in Form eines nüchternen Kanzleiberichts mit zahlreichen Einzelheiten dargestellt und entsprechend schnell und monoton heruntergelesen. Bettine G.’s ordinäres Leben spiegelt sich in Frage und Antwort. Die Sympathie, die man für die zwei mißlungenen „Emanzipationsversuche“ aufzubringen hat, soll sich aus der Einsicht in die Mängel unserer Gesellschaft ergeben. H. K.