In wenigen Tagen wird der englische Schatzkanzler sein Budget präsentieren. Die jüngste Pfundkrise wurde nicht zuletzt ausgelöst durch Abwertungsgerüchte in der Presse, die schließlich auch in der Londoner City verfingen (Vgl. „Leichtes Pfund“ in Nr. 12 der ZEIT). Die Frage nach den Hintergründen der „Pfundspekulation“ ist nicht leicht zu beantworten. Unser Londoner Korrespondent schreibt uns dazu:

FJW. London, im März

Die Wege der internationalen Währungsspekulation sind unergründlich; sie völlig zu klären ist auch den Weisen im Internationalen Währungsfonds bisher nicht gelungen. Es bleibt aber unverständlich, weshalb sich unter den gegebenen Verhältnissen auch seriöse Stellen bereit finden, aus einer kurzfristigen Kursabschwächung des Pfundes einen Gewinn herausschlagen zu wollen. Ein Alleingang in einer Abwertung darf für den Rest der Amtsperiode der gegenwärtigen Regierung aus politischen Gründen als ausgeschlossen angesehen werden. Das bedeutet, daß mit einem Rückgang des Pfundkurses unter die untere Paritätsgrenze von 2,78 Dollar – die obere ist 2,82 Dollar – nicht gerechnet werden kann. Die „internationale Feuerwehr“ greift heute bereits ein, wenn die Notierung unter die mittlere Parität von 2,80 Dollar fällt. Das Mißtrauen muß sehr groß sein, wenn sich trotzdem manche Stellen – auch Großbanken – in Pfund-Minuspositionen einlassen und sie dafür sogar 5 3/8 bis 51 % Zinsen zahlen. Die Bank von England sorgt durch ihre Interventionen dafür, daß die Spekulation an ihren „Leerabgaben“ oder – um einen technischen Ausdruck zu verwenden – am „Spritzen“ in Pfunden nichts verdient, sondern eher eine Verlustrisiko eingeht. Und trotzdem wird immer wieder „gespritzt“.

Man sucht allerdings vergeblich nach logischen Gründen für solche Vorgänge. Ist doch auch manchmal die Politik einer Zentralbank nicht logisch zu erklären. Die Bank of England hat in der Vorwoche in der Behandlung des Geldmarktes eine neue Technik eingeführt, die praktisch auf die Schaffung eines „gespaltenen“ Banksatzes hinausläuft. Banksatz Nr. 1, der offiziell seit 3. Januar 4 % beträgt, gilt für das Inland, Diskontsatz Nr. 2 mit 4 1/2 % für das Ausland. Man kann es sich nicht leisten, auf der Schwelle zu einer neuen Expansionsperiode das Geld für die inländische Wirtschaft zu verteuern; Wachstum muß durch billiges Geld gefördert werden. Aber dem Ausland will man. – wie dies bereits in den Vereinigten Staaten geschieht – für seine kurzfristigen Kapitalanlagen in London, die zumeist in einundneunzigtägigen Schatz wechseln bestehen, 4 1/2 % zahlen. Damit soll der New Yorker Konkurrenz um solche (meist kontinentale) Anlagen entgegengetreten werden. Es ergibt sich nun die Frage, warum London (und New York) sich um kurzfristige Geldanlagen, die man noch im Vorjahre als „heißes Geld“ und darum als unerwünscht angesehen hatte, bemüht, warum man wieder einen Wettlauf in den internationalen Zinssätzen, nach oben beginnt, nachdem man sich in Paris geeinigt hatte, eine internationale Zinsnivellierung – eher mit Tendenz nach unten – anzustreben? Die Furcht der Währungsbehörden vor ausländischen Abzügen – ist trotz aller Basler Abmachungen, Pariser Clubs, Swaps und Beistandskrediten offensichtlich so stark, daß man nolens volens auch „heißes Geld“ in Kauf nimmt und es auch noch gut verzinst.