Orientalische Gerichte – Grüne Äcker – Elegante Seebäder Bequeme Autoreisen im Norden Marokkos

Von Gerda Panka-Dietz

Verflixt, sagte der Kollege aus dem Rheinland. Wo sind wir eigentlich? Im Mittelgebirge? Im Voralpenland?

Wir saßen am Rand einer Wiese, die in allen Farben des Regenbogens blühte. Ein Bach plätscherte und weckte die Erinnerung an klare Forellengewässer in der Rhön oder in der Eifel. Die Luft war kühl und frisch; der Wind bewegte die Pappeln und Weiden. Kiefern- und Laubwald kletterte die Hänge empor. Auf grünen Äckern stand das Getreide voll und saftig. Aber wir waren nicht in Deutschland. Wir befanden uns mitten im Rif. Nur die Eukalyptusalleen und Olivenhaine, die vorbildlich kultivierten Orangen- und Weinplantagen in den Tälern setzten südliche Akzente in das so merkwürdig vertraute, hier aber überraschende Bild.

Es ist die größte Überraschung, die der Norden Marokkos dem Reisenden bietet. Die Klischees, die man bewußt oder unbewußt mitbringt – Palmen, Wüste, karges Gestein – stimmen hier nicht. Aber auch der Norden Marokkos bietet dem Europäer genug an fremdartigem Reiz. In kaum einem anderen Land, das sozusagen vor der Türe liegt, verbindet sich wie hier modernes Leben mit dem orientalischen Zauber eines Märchens aus Tausendundeiner Nacht.

In den Städten bieten die Luxushotels in subtropischen Gärten einen sagenhaften, bei uns infolge des Personalmangels kaum mehr denkbaren Service. Allerdings sind diese Luxushotels für den Durchschnittsreisenden sündhaft teuer. Während die Lebensmittel und Früchte des Landes spottbillig sind (ein Kilogramm Erbsen kostet zwanzig und ein Kilogramm Orangen fünfundzwanzig Pfennig), bezahlt man in den großen Hotels für eine – freilich ausgezeichnete – Mahlzeit französischen Stils sechzehn bis zwanzig Mark. Eine Flasche Wein, für die man im Geschäft nur siebzig bis neunzig Pfennig bezahlt, ist im Hotel unverhältnismäßig teuer. Sehr empfehlenswert ist der „Chaudsoleil“. Zimmer mit Bad kosten siebzig bis achtzig Mark und mehr. Für eine Zigarre verlangt man zwei Mark und siebzig Pfennig (bei uns für die gleiche Qualität vierzig Pfennig). Die Erklärung ist einfach: Alles, was eingeführt werden muß, ist sehr teuer. Es empfiehlt sich, Filme und Zigaretten – sofern man nicht die schwarzen marokkanischen liebt – ausreichend mitzunehmen. Es gibt aber auch eine Anzahl gepflegter Hotels, in denen man ein Zimmer schon für zehn Mark bekommt.

Auf keinen Fall sollte man versäumen, einmal echt marokkanisch zu essen und den Kuskus, die sehr schmackhaft zubereitete Nationalspeise, zu kosten (ein Gericht aus Weizengries in der Art eines Reisgerichts bereitet, mit Gemüse, Hammel oder Huhn). Dazu trinkt man wie immer den erfrischenden Minztee – in kleinen Restaurants zu zwanzig Pfennig –, der überall und immer angeboten wird, oder die wohlschmeckende Mandelmilch.