Zugabe im Hotel

Leere Betten sind der Alptraum jedes Hoteliers. Viele Besitzer großer und kleiner Häuser in den USA können nicht mehr richtig schlafen und zerbrechen sich ihre Köpfe: wie locke ich Gäste in mein Haus, und sei es auch nur für eine Nacht? Ganz einfach! Durch Geschenke! Einen neuen Bademantel aus bestem Frottiertuch verschenkt ein amerikanisches Hotel denjenigen, die ein Zimmer mit Bad beziehen. Ein anderes serviert kostenlos das Frühstück ans Bett. Der möglichen Geschenke sind noch viele. Wie wärs, senkte man stattdessen die Zimmerpreise? Conrad Hilton, der König dieser Branche, zog inzwischen seine Konsequenzen und erklärte: „Ich baue noch fünf Hotels in den Vereinigten Staaten – dann ist Schluß. Amerika hat genug Hotels.“

Vorsicht, Frauen!

Der Finanzpräsident von Münster, Dr. Strohe, hat kürzlich eine Beobachtung bekanntgegeben, die die Zollbeamten an den Grenzen der Bundesrepublik gemacht haben. Die „bevorzugten Waren“, die heimlich über die Schlagbäume wechseln, seien Genußmittel, die eifrigsten Schmuggler weiblichen Geschlechts.

Hohe Ansprüche

Der Vater wanderte 1920 mit Knotenstock, Rucksack und Schnürschuh durch die Rhön, 1963 setzt sich der Sohn ins Flugzeug, steigt in Nizza aus und im Jugendhotel Mirador bei St. Tropez ab. Andere Zeiten... Zehn Jahre besteht jetzt die Gesellschaft für Internationalen Jugendaustausch (Bonn), die 1953 aus dem Ring Politischer Jugend hervorging. Blättert man in ihrem 60 Seiten starken Sommerprogramm, so meint man, kaum einen Unterschied zu finden zu den Angeboten renommierter Reisebüros, die allerorten Gesellschaftsfahrten organisieren. Tunesien, Marokko, Ägypten, Walsertal und Torquay, Syrakus und Paris sind die Reiseziele. Die Preise schwanken zwischen 35 Mark Vollpension für ein Europäisches Jugendzeltlager an der Mosel (eine Woche), 347 Mark für eine Flugreise nach Mallorca und 1500 Mark für eine Fahrt in die USA. Der Unterschied zu den Reisen der großen Touristikunternehmen: Jugend unter sich, die Teilnehmer dürfen nur zwischen 16 und 25 Jahren alt sein, und es sind vielfach Studienreisen, die mit Sprachkursen verbunden werden. Bildungserlebnis und internationale Begegnungen heißt die Devise – warum sie nicht koppeln mit bequemer Fahrt im Liegewagen, schnellen Flügen und komfortablem Aufenthalt in First-class Hotels? Die Ansprüche steigen, Rucksack und Schnürschuhe gehören in das Reich des Märchens. Man wird es nicht mehr verhindern können.

Der Marsch wird geblasen