Es ist schon ein Kreuz mit der Mode! Selbst die Tierwelt wird ihr jetzt unterworfen. Als ich die Zeitungsnotiz sah, rief ich meine beiden Scotchterrier und las ihnen, vor, was ihnen blühe, wenn ihnen gesetzlich verboten würde, weiterhin splitternackt herumzulaufen.

’Natürlich stammt die Idee aus Amerika. Dort starb vor einiger Zeit ein Sonderling und hinterließ sein Vermögen Gleichgesinnten, deren sittliches, Empfinden durch die Nacktheit der Tiere zutiefst beleidigt wird. Durch den unerwarteten Finanzregen bildeten die Beleidigten im Sinne des Verblichenen eine „Gesellschaft zur Bekleidung nackter Tiere e.V.“. Tierbekleidungsgruppen wurden gebildet, deren Mitglieder auf der Straße demonstrierten und in Reden auf die Ungehörigkeit nackter Tiere inmitten unserer bekleideten Zivilisation hinwiesen. In New York postierten sich die Beleidigten sogar an den Portalen des UNO-Glaspalastes. „Schützt unsere unschuldigen Kinder vor nackten Tieren“ und „Nackte Tiere sind sittlicher Verderb“.

Vor einigen Tagen kam eine kleine Gruppe der Tierbekleidungsgesellschaft nach London. Als Besitzer zweier nackter Scotties war ich natürlich schon aus finanziellen Gründen besorgt. Also suchte ich schnurstracks Mr. Mercer auf, einen der amerikanischen Gründer dieser Gesellschaft. Mr. Mercers Augen brannten vom heiligen Eifer seiner Mission. Ja, ihm liege sehr daran, sich auch in Europa für die Bekleidung der Tiere einzusetzen, und er hoffe, bereits beim diesjährigen Derby, anzufangen. Die Pferde sollten in Shorts gekleidet sein, und zwar stets in den Rennfarben. Dann wäre nicht nur die allgemeine Keuschheit gewahrt, dann hätten, da die Rennfarben weit sichtbar sind, die Pferdeshorts auch praktischen Wert für die Zuschauer. Als nächstes müsse er aber mit dem Direktor des Londoner Zoos konferieren, um die katastrophale sittliche Lage im Affenhaus zu besprechen.

Leider ließ ich mich auf eine Diskussion ein, in der ich auf die Unmöglichkeit hinwies, alle unsere Tiere zu bekleiden. Alle unsere Farmtiere? Und was wird mit den Vögeln? Als ich ihn schließlich auf die Unsinnigkeit seines Vorhabens aufmerksam machte und argumentierte, wir dürften dann auch keine Milch trinken, die aus obszönen Kuheutern kommt, funkelten seine Augen, und er machte sofort eine Notiz auf dem Schreibblock.

Nun fürchte ich, werden die Statuten der Gesellschaft erweitert, und daran bin ich schuld. Aber meinen Scotchterriern habe ich sofort kurz und bündig bedeutet, daß ich mich weigere, ihnen bei jedem Laternenpfahl die Hosen auf- und zuzuknöpfen. H. M. Nieter O’Leary