Wer dazugehören will – und wer wollte das nicht? – der macht natürlich auch im Winter Urlaub. Damit man ihm sofort ansehen kann, welches Ansehen er daraufhin zu beanspruchen hat, muß er ein braungebranntes Gesicht vorweisen – das übrige darf weiß bleiben wie gekalkte Wand –, was sich im Winter viel imponierender macht als im Sommer, wo man das ja schon auf dem eigenen Balkon erreichen kann.

Ich war mit Ingwelde diesmal in St. Stützing, das von den Eingeweihten, zu denen wir jetzt auch gehören, kurz „Stutz“ genannt wird. Während ein Ort wie Verbais eigentlich schon fast im Gehen ist, ist „Stutz“ zweifellos starkem Kommen – was schon seinen Preisen anzumerken ist.

Von St. Moritz unterscheidet sich „Stutz“, indem es hier auch viele Leute unter siebzig gibt; von Gstaad mit seinen vielen Kinderheimen, indem es hier auch viele Leute über zwölf gibt, und von Zermatt, indem es in „Stutz“ keinen Typhus gibt.

Dafür leidet es – und mit ihm Ingwelde – unter einem gewissen Mangel an Prominenten. Eher kann man sich einen Wintersport ohne Schnee als ohne Prominente vorstellen. Leider waren aber die verfügbaren Fünfhundert schon anderweitig Verpflichtungen eingegangen.

Das Verkehrsamt hat jedoch Ingwelde beruhigend zugesagt, daß es für die nächste Saison in aussichtsreichen Verhandlungen mit einigen Star-Touristen – es wurden Elizabeth Taylor, Elsa Maxwell, von Karajan und eine schwedische Prinzessin genannt – stehe, die Gastspiele in „Stutz“ zugesichert hätten.

Laut Prospekt kann man im März in „Stutz“ mit mindestens fünfzehn Sonnentagen rechnen. Die waren gerade zu Ende, als wir dort im dichtesten Schneetreiben ankamen; und fortwährend lief uns einer von diesen schrecklichen Alt-Touristen über den Weg, der uns was von den zurückliegenden prächtigen Sonnenzeiten vorschwärmte. Es sei kürzlich noch so heiß gewesen, daß man sich direkt nach ein paar Wolkentagen gesehnt habe.

Erst als wir einen letzten Blick auf das hinter uns liegende „Stutz“ warfen, erhaschten wir einen ersten Sonnenstrahl.