Von Johannes Jacobi

Wieder war drei Abende lang „Premiere“ in Zürcher Schauspielhaus. Noch machen „Die Physiker“ die Runde durch Deutschland, da hält Friedrich Dürrenmatt schon eine neue „Uraufführung“ bereit? So schnell schießen auch die Schweizer nicht.

„Herkules und der Stall des Augias“ war ein Hörspiel. Was jetzt als „Komödie in 15 Bildern“ auf der Bühne erschien, zeugt von der Sparsamkeit des Autors: Dürrenmatt will keinen Einfall verloren geben, den er jemals gehabt hat. So wertete er sich selber aus und schrieb um.

Doch die literarische Verwertungsindustrie, die jeden Stoff durch alle Medien der Darstellung jagt, hat noch selten den Grundsatz außer Kraft setzen können, daß „Einfall“ und Form sich gegenseitig bedingen. Nicht einmal dann, wenn der Auswerter der Urproduzent in eigener Person ist, lassen sich Hörspiel und Bühnenstück vertauschen, ohne daß ein Rest nicht aufgeht.

Dürrenmatt will immer „eine Geschichte erzählen“. Auch auf der Bühne. Wie Ionesco es zu tun pflegt, so schreibt Dürrenmatt die Skizze zunächst als Story. Diese Urform seines „Herkules“-Hörspiels wurde jetzt, nach zehn Jahren, erstmals im Programmheft des Zürcher Schauspielhauses gedruckt.

Blickt der Autor dann konsequent auf das Theater, so kann sich die „Geschichte“ bis zu den drei klassischen Einheiten verdichten, mit denen Dürrenmatt in den „Physikern“ das Paradoxe darstellbar machte. Liest man aber den Hörspieltext des „Herkules“ noch einmal nach, dann ist der Eindruck nicht abzuweisen, Dürrenmatt habe sich selber redigiert und zitiert. Was immer brauchbar erschien, das wurde wörtlich verwertet – nur umgestellt und frisch gerahmt. Neues ist erdichtet worden, falls im Hörspiel sich Löcher auftaten, sobald der Augensinn des Theaters nach Anschauung verlangte.

Diesmal hat sich Dürrenmatt im Netz des Geschichten-Erzählens verheddert. Er wurde eine Figur nicht wieder los, die im Funk als Erklärer notwendig war. Dazu war Polybios erfunden worden, der Privatsekretär des „Nationalhelden“ Herkules. Polybios erzählte den Hörern, was vor sich ging.