Von Walther Weber

Sparen ist besser“ hieß das Motto, unter dem im Oktober des vergangenen Jahres der Weltspartag gestanden hatte. Haben die Worte gehalten, was sie zu verheißen schienen?

Sehen wir einmal von der Ideologie des Sparens, seinem erzieherischen und volkswirtschaftlichen Wert ab, und betrachten wir die Dinge nüchtern. Dann stellen wir fest, daß 1962 das Sparen auf Konten mit normaler Kündigungsfrist „unrentabel“ war. Es war – so ist man zu sagen versucht – eine Leistung ohne angemessene Gegenleistung. Inwiefern? Weil im Jahr 1962 die Steigerung der Preise, gemessen am Preisindex der Lebenshaltung für die mittleren Arbeitnehmerhaushalte (Familie mit zwei Kindern), erstmals größer war als die Zinsvergütung, die die meisten Kontensparer für ihren Konsumaufschub oder -verzieht vergütet bekamen.

In Zahlen ausgedrückt: Während auf Sparbüchern mit gesetzlicher Kündigungsfrist zum Jahresende 3,25 % Jahreszins gutgeschrieben wurden, war über Jahresfrist die Lebenshaltung durchschnittlich um 3,5 % teurer geworden. Mithin hatten diese Sparer einen zumindest statistischen Substanzverlust erlitten. Denn nicht nur der Zinsnutzen ging ihnen kaufkraftmäßig verloren, sondern auch ein – wenn auch kleiner – Teil der ursprünglich eingezahlten Summe. Das zeigt unser Schaubild deutlich.

Bedenkt man, daß der Zins nach klassischer Auffassung keine Geldentwertungsprämie ist und auch heute nichts anderes sein sollte als das Entgelt für eine Leistung, mit dessen Hilfe Kreditnehmer ihre gewinnbringenden Investitionen finanzieren können, dann stimmt diese Entwicklung besorgniserweckend. Insbesondere weil das Vertrauen der Sparer, die nach der letzten Währungsreform wie empfindliche Pflanzen sorgsam gepflegt worden sind, nicht enttäuscht werden darf. Denn es ist keinesfalls ein Naturgesetz, wie viele Politiker anzunehmen scheinen, daß Millionen von Menschen ständig unbeirrt weitersparen als gäbe es keinen Geldwertschwund. Die „guten Nerven, die Besonnenheit, das nüchterne Urteil der Sparer – zum Teil auch wohl die Tatsache, daß sie zwischen den beunruhigenden Ereignissen und ihrer Spartätigkeit aus dem einen oder dem anderen Grunde gar keine Kausalbeziehung herstellen“, von denen der Deutsche Sparkassen- und Giroverband in seinem letzten Jahresbericht sprach, können auch einmal verlorengehen.

Man muß sich das einmal vor Augen halten: Bis Ende 1962 sind immerhin insgesamt 69,9 Mill. DM auf Sparbüchern angesammelt worden, und das durchschnittliche Guthaben je Sparkassenbuch erreichte Ende 1961 bereits 1250 DM.

Wer sind die Sparer, die diese Leistungen erbringen? Zu 89,3 % (62,3 Mrd. DM) sind es Privatpersonen, zu 8,1 % öffentliche Stellen. Nur die restlichen 2,6% stammen – jedenfalls statistisch – von Wirtschaftsunternehmen.