Österreichs Großbanken haben Sorgen

Die zwei großen österreichischen Geschäftsbanken haben auch 1962 sowohl an Kreditorengeldern wie an Spareinlagen einen weiteren ansehnlichen Zuwachs erhalten. Es war aber nicht möglich, in entsprechendem Maße Kredite an die Wirtschaft auszugeben, so daß die Liquidität über die gegebenen Reservevorschriften hinaus wesentlich gestiegen ist, aber die Erträge im wichtigsten Geschäftsbereich nicht entsprechend weiter wachsen könnten; andere Sparten haben jedoch mehr gebracht, so daß das Gesamtergebnis wieder gut ist und nach einer kräftigen Rücklagenstärkung die Beibehaltung der allerdings von vornherein mäßigen Dividende von 10 % leicht macht. Von beiden Großbanken sind 60 % des Aktienkapitals im Staatsbesitz, 30 % sind als stimmrechtlose Vorzugsaktien und 10 % als Stammaktien in Privathänden.

Für beide Großbanken zeigen sich wieder sehr ähnliche Entwicklungszüge, unter Beibehaltung der traditionellen Unterschiede in Größe und Art. Die Creditanstalt-Bankverein hat die Bilanzsumme auf 13 682 (12 183) Mill. Schilling erhöhen können; sie weist einschließlich der 500 Mill. Grundkapital die Eigenmittel mit 1841 Mill. aus, das sind 16,9% der gesamten Verpflichtungen. Das Institut verfügt bekanntlich über hohe Beteiligungen in der Industrie und führt auch ein eigenes Hypothekenbankgeschäft. Der Creditanstalt war immerhin noch eine Kreditweitergabe von fast 60 % des Zuganges an Fremdmitteln möglich. – Die Österreichische Länderbank ist mit der Bilanzsumme auf 9184 (8200) Mill. gekommen und hat bei einem Grundkapital von 250 Mill. insgesamt 950 Mill. Eigenmittel, was mit 11,9 % des Fremdkapitals noch immer wesentlich über dem internationalen Durchschnitt liegt. Bemerkenswert ist, daß von ihrer Bilanzsumme etwa ein Viertel auf Spareinlagen entfällt, die damit absolut beinahe den gleichen Betrag erreichen wie die Spareinlagen bei der größeren Creditanstalt. Die Länderbank fand für ihre liquiden Mittel wenig Veranlagungsmöglichkeit in der Wirtschaft.

Das Berichtsjahr hat im Auslandsgeschäft einen starken Fortschritt gebracht. Die 1962 verfügte Ausländer-Konvertibilität für den Schilling hat die Atmosphäre des zwischenstaatlichen Geschäftes wesentlich gefördert. Im Börsengeschäft ist der Aktienumsatz wegen fallender Kurse weit kleiner, der Umsatz in festverzinslichen Papieren aber bedeutend größer gewesen als im Jahr vorher. Bezüglich der Prognosen für die weitere Entwicklung ist man in den offiziellen Auslassungen und in den gedruckten Geschäftsberichten zurückhaltend bis schweigsam, im Einzelgespräch aber ziemlich skeptisch. J. B.