Im Gegensatz zu den Farbwerken Hoechst läßt die Frankfurter Hypothekenbank in ihrem Jubiläumsjahr – sie konnte 1962 as erstes Institut ihrer Gruppe auf ein hundertjähriges Bestehen zurückblicken – ihren Aktienären neben einer Dividende von 16 % einen Bonus von 2 % zukommen.

Im vergangenen Jahr hat sich die Bilanzsumme der traditionsreichen Hypothekenbank von 1,85 auf 2,12 Mrd. DM erhöht. Bei einen verstärkten Umlauf von Schuldverschreibungen und höheren Ausleihungen verbesserte sich das Ergebnis, vor allem bei den Zinsen des langfristigen Geschäftes. Per Saldo brachten sie 1962 5,5 Mill. gegenüber 3,1 Mill. im Vorjahr. Rechnet man die übrigen Zinsen hinzu, die bei einer verengten Geldmarktlage etwas zurückgingen, dann ergibt sich insgesamt ein Zinsgewinn von 20 Mill. Er reicht aus, um personelle und sachliche Aufwendungen, weiterhin Steuern und Dividenden zu decken.

Die Dividende wird also auch in diesem Jahr aus den Erträgen des Grundgeschäftes bezahlt, und nicht etwa aus Gewinnen, die ihrem Grunde nach der Gunst der Umstände zu verdanken sind. Diese gehen bei der Frankfurter Hypothekenbank in die Rücklagen, denen in diesem Jahr 4 Mill. – gegenüber 9,5 Mill. im Vorjahr – zugeführt wurden. Die Minderung läßt keine Rückschlüsse auf eine ungünstiger gewordene Ertragslage zu. Die Veränderung bei diesem Posten hängt mit der Entwicklung der sogenannten „Überschüsse aus dem Pfandbrief- und Kommunalschuldverschreibungsgeschäft“ zusammen. Die Frankfurter Hypothekenbank bilanziert nach der Nennwertmethode. Das bei unter pari Emissionen zugestandene Disagio und das bei herausgelegten Hypothekendarlehen geforderte Damnum gehen im Entstehungsjahr in die Gewinn- und Verlustrechnung ein. Hieraus ist zu erklären, daß die Frankfurter Hypothekenbank beim Posten „Überschuß aus Pfandbrief- und Kommunalschuldverschreibungs-Umsatz“ 1960 einen Verlust von 3,6 Mill., 1961 einen Gewinn von 11,8 Mill. und 1962 einen solchen von 2,5 Mill. zu verzeichnen hatte

Dieses Auf und Ab soll die Aktionäre nicht genieren. Die Betriebswirtschaftler meinen daher, man sollte die entsprechenden Posten, da sie nichts anderes als einen versteckten Zins darstellen, auf die ganze Laufzeit der Darlehen verteilen. Die Gewinne würden sonst vor der Zeit „verzehrt“. Die Hypothekenbanken waren bisher aus Gründen der praktischen Handhabung vielfach anderer Meinung. Der Gesetzgeber entschloß sich in der Hypothekenbank-Novelle zu einer Kompromißlösung. Nach ihr sollen die Umsatzgewinne nicht bei Entstehen, sondern erst im Verlauf von mindestens fünf Jahren ausgewiesen werden. Möglicherweise wird dies den Ertragsausweis in den kommenden Jahren auch bei der Frankfurter Hypothekenbank etwas schmälern. Hierauf bereitet sich das Institut vor. Es weist den Wertberichtigungen und Rücklagen weniger als bisher zu und stärkt dafür die inneren Reserven. W. R.