Der Leiter des Instituts „Finanzen und Steuern“, Prof. Pagenkopf, zog sich öffentlich den Zorn des Bundesverteidigungsministers zu. In dessen Auftrag warf ihm Haushaltsdirektor Schiffers in einem offenen Brief eine „geradezu politisch gefährliche Irreführung der Öffentlichkeit“ vor. Der Professor hatte sich die Freiheit genommen, durch sein Institut den Verteidigungsetat 1963 kritisch beleuchten zu lassen und Vorschläge für eine rationellere und sparsamere Haushaltsführung zu unterbreiten. Diesen Anregungen bescheinigte nun der Minister eine „Verkennung des wahren Sachverhalts“; sie basierten auf sachlich falschen Voraussetzungen und müßten als „absurd“ bezeichnet werden. „Um eine Wiederholung dieses Vorkommnisses zu vermeiden“, so schloß dieser „schwere Verweis“ in militärisch knappem Ton, „mögen sich die Autoren des Instituts vor ähnlichen Veröffentlichungen mit dem Ministerium ins Benehmen setzen“. Derartige Maßregelungen mögen im Verteidigungsministerium üblich sein, aber gegenüber unabhängigen Wissenschaftlern sind sie fehl am Platze Inzwischen hat sich zwar das Ministerium zu einer Quasi-Entschuldigung durchgerungen, um – wie es scheint – weiteren „Enthüllungen“ (etwa zum Beschaffungswesen) vorzubeugen. Aber ein fader Nachgeschmack bleibt doch zurück. Hoffentlich haben die Militärs aus diesem „Vorkommnis“ gelernt, daß in einem demokratischen Staatswesen auch die Verteidigungsausgaben der Kritik unterworfen sind.

Brunnenvergiftung

Wieder einmal hat der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Fritz Berg, Grund zur Klage, falsch zitiert worden zu sein. Diesmal von einem amerikanischen Journalisten, dem er im November vorigen Jahres ein „Offthe-Record-Gespräch“ gewährte. Man sprach über alles Mögliche: über alte und neue Geschichte. Über den Grünen Plan und über den Kommunismus. Präsident Berg ahnte nichts Schlimmes, bis er dann in der amerikanischen Illustrierten „Life“ schwarz auf weiß lesen konnte, die Industriearbeiter bezichtigt zu haben, in ihrem Herzen immer „Sozialisten oder Kommunisten“ gewesen zu sein. Die deutsche Sozialdemokratie empörte sich, und das Gewerkschaftsblatt „Welt der Arbeit“ brach gleichfalls in laute Pfui-Rufe aus. Brunnenvergiftung! Nun ist es aber Berg beim besten Willen nicht zuzutrauen, die deutsche Industriearbeiterschaft wirklich und wortwörtlich des Kommunismus verdächtigt zu haben. Er pries die deutsche Landwirtschaft als Bollwerk gegen den Bolschewismus und wies im gleichen Atemzug auf den hohen Mitgliederstand der kommunistischen Parteien Frankreichs und Italiens hin, was allerdings tatsächlich geeignet war, fatale Gedankenassoziationen auszulösen. Gesagt wurde das jedenfalls nicht so, wie es dann zu lesen war, allenfalls wurde etwas laut gedacht. „Life“, geben Sie Gedankenfreiheit.